Glosse: Die Seriosität der Sprecher

Von Stefan Meetschen

Auch unter Journalisten gibt es verschiedene Seriositätsgrade: Von Sportreportern und Börsen-Berichterstattern wird erwartet, dass sie Resultate und Kurswerte präzise wiedergeben, mit Spannung und Leidenschaft in der Stimme. Das wirkt authentisch, damit soll sich der Zuschauer identifizieren. Politische Beobachter und Kommentatoren hingegen ordnen die Dinge, die zwischen Washington und Moskau geschehen, ein. Zwar haben sie nicht immer Recht, oft sind ihre Schlüsse und Prognosen sogar grundverkehrt, aber im Moment der Ausstrahlung schweben sie doch einige Zentimeter über der Augenhöhe des Fernsehpublikums. Wer so überzeugt ist von seinen Worten, muss es einfach besser wissen – sitzt er nicht deshalb auf dem Stuhl des Kommentators? Eine verabredete Autoritäts- und Seriositätszuweisung, die nur von einer journalistischen Berufsgruppe übertroffen wird: Den Nachrichtensprechern der „Tagesschau“. Zwar sind diese bei Licht besehen keine richtigen Journalisten, sondern nur Sprecher. Aber wen stört das schon? Was Köpcke & Co. sag(t)en, besitzt für viele Zuschauer einen unumstößlichen Wahrheitscharakter. Seriosität pur. Problematisch wird es nur, wenn diese Leute keinen Text ablesen, sondern frei sprechen. So wie es zurzeit Chefsprecher Jan Hofer und Ex-Sprecher Marc Bator tun, die öffentlich darüber eine Fehde führen, ob Bator sich bei seiner letzten Sendung verabschieden durfte oder – wie er behauptet – nicht. Wenn man auf dem Niveau angelangt ist, landet man, was die Seriosität betrifft, auf dem tiefsten Punkt. Also hier. Bei der Glosse.

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