GLOSSE: Die K-Frage hat uns fest im Griff

Glücklich die Zeiten, in denen die Deutschen sich die K-Frage so ausgiebig stellen dürfen, denkt sich zufrieden, wer in den Blätterwald schaut, Radio hört, die Glotze einschaltet, im Internet surft oder sich die neuesten Nachrichten aufs Handy tickern lässt, um sich im Informationszeitalter nicht veräppelt vorzukommen – also, wer wird denn nun der/die nächste Kanzler/in wahlweise bei CDU, CSU, SPD, FDP oder der neuen heimlichen grünen Volkspartei? Was, das liegt gar nicht an, es geht bei der K-Frage gar nicht um die hohe Politik. Es geht auch nicht um die Kardinalfrage? Gut, da hätte zurzeit wohl auch niemand daran gedacht, obwohl – auch in Deutschland hätte einige Kardinalfragen nicht allein die Politik so zu beantworten, dass es auch jeder versteht zumindest in den Redaktionsstuben zwischen den Kirchtürmen Flensburgs und Garmisch-Partenkirchens.

Aaah, es geht um den Capitano. Aber das ist doch gar keine K-Frage. Was? Das ist Korinthenkackerei? Okay. Also, um welchen Capitano dreht sich den nun die aktuelle deutsche Malaise, ihr lieben Auguren? Um Michael Ballack und Philipp Lahm und wer von beiden der künftige Capitano der deutschen Nationalmannschaft werden soll, wie einst ein Kalifornier aus Schwaben, der 2006 den deutschen Fußball rettete, dieses schöne neudeutschitalienischenglische Wort kreiert hat – und das solle man nicht ins Lächerliche ziehen, weil Fußball ist immer noch eine echte deutsche Liebe, noch vor dem Auto und vor dem Hund. Fußball ist Patriotismus, wenn nicht Religion und zumindest ein gutes Geschäft, das das aktuelle deutsche Wirtschaftswunder stützt und, und, und wer Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist, der ist – ja, was ist der denn nun?

Oh je, auch nur ein Mensch.

Johannes Seibel

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