Glosse: Das generische Maskulinum

Anna-Lena Scholz hat für ZEIT-Campus einen Beitrag verfasst. ZEIT-Redakteur Thomas Kerstan wagte es, das Retortenwort „Studierende“ in „Studenten“ zu korrigieren. Das konnte Anna-Lena Scholz natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Daraus entwickelte sich eine Auseinandersetzung im Netz um „geschlechtergerechte“ Sprache: „Lieber Thomas, Du hast aus den ,Studierenden‘ in meinem Text die ,Studenten‘ gemacht. Das generische Maskulinum verschluckt die Studentinnen, mit denen ich bei meiner Recherche gesprochen habe!“ Die Universitäten haben sich längst dem Gebot der politisch korrekten Sprache gebeugt: Für viel Geld wurde vielerorts aus dem „Studentenwerk“ ein „Studierendenwerk“. Allein: Ist eine in der Disco tanzende Studierende, ein Mittagsschlaf haltender Studierender nicht schon ein Widerspruch in sich? Denn entweder tanzt die Studentin oder sie studiert ... Stutzig machen solche Wortungetüme allerdings, weil sie nur für positiv oder neutral konnotierte Ausdrücke eingesetzt werden. Oder hat der geneigte Leser schon einmal „Ladendiebinnen und Ladendiebe“ in einer Statistik gelesen? Wenn die geschlechtergerechte Sprache durchgesetzt werden soll, dann bitte überall. Da hätten wir auch einige Vorschläge: Weil das generische Maskulinum Ladendiebe die Ladendiebinnen „verschluckt“, soll es jetzt etwa „Ladenstehlende“ heißen. Die Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher werden dann „Steuerhinterziehende“. Und weil das generische Maskulinum „Mörder“ die armen Mörderinnen verschluckt, schlagen wir „Mordende“ beziehungsweise „Gemordethabende“ vor. Die Reihe lässt sich selbstverständlich weiterführen (Schwarzfahrerinnen und Schwarzfahrer, Raserinnen und Raser ...) Probieren Sie selbst. Irgendwann einmal bekommt zwar Ihre Zunge einen Knoten. Aber keine Sorge: Dann hätten Sie das gute Gewissen, geschlechtsneutral und politisch korrekt zu reden. Na dann, viel Spaß! Andrea Schulz

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