Glosse: Das Geld und der böse Dschinn

Bargeld, das wusste schon Lord Byron, ist Aladins Wunderlampe. Wenn nötig, kann dem Geld ein Geist (Dschinn) entsteigen, der jeden Wunsch erfüllt. Vorausgesetzt natürlich, man hat heutzutage viele und große Scheinchen parat, dann hat es der Dschinn leichter. Wenn es nach der Bundesregierung und führenden Bankern geht, ist mit derartigen Geisterbeschwörungen aber bald Schluss: Die SPD hat dem 500 Euro-Schein den Kampf angesagt. Die CDU will eine Obergrenze für Bargeldzahlungen einführen, die bei 5 000 Euro liegen soll. John Cryan, Chef der Deutschen Bank, hält die Zeit des Cashs generell für abgelaufen. In zehn Jahren, so prophezeit Byrons Landsmann, gebe es keine Scheine und Münzen mehr. Alle Zahlungen liefen dann digital. Via Kreditkarte oder App. Das sei praktischer und sicherer, denn auf diese Weise mache man Kriminellen und Terroristen das Leben schwer. Klingt logisch. Wer in der Schönen Neuen Transferwelt bei Überweisungsgrund etwa „gefälschte Ausweise, Waffen, Sprengstoff“ angeben muss, dürfte damit seine Freiheit tatsächlich gravierend beschneiden. Gerade bezahlt, jetzt schon im Gefängnis. Pech nur, dass normale Zahler von einer derartigen Kontrolle auch betroffen wären. Zigaretten, Alkohol und was das Leben sonst noch so schön und lasterhaft machen kann – jemand könnte all diese Kaufinformationen leicht bündeln und daraus bevormundende Schlüsse ziehen. Das Geld wäre dann kein Privateigentum mehr. Wer ist dieser Jemand? Natürlich Big Data, der böse Dschinn, der aus dem Rechnungsnetz steigt. Stefan Meetschen

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