Glosse: Besinnliche Tage

Von Johannes Seibel

Die Zeit zwischen den Jahren, sie ist so besinnlich. Die Feiertage sind vorüber. Die Familie ist wieder auseinandergegangen. Die schönste und liebste aller Gattinnen hat genug damit zu tun, die Geschenke umzutauschen. Und endlich kann Mann wieder so richtig durchschnaufen, sich die Fernbedienung schnappen, die Füße hochlegen, und sich bei Eurosport oder Sport 1 die Fußballbundesligen von der Saison 2003 bis 2010 im Rückblick erneut zu Gemüte führen. Mann hat das alles noch nicht genug gesehen.

Und während Mann so gemütlich im Sessel hockt, während draußen der Nachbar schon wieder den Schnee wegschippt – warum macht der das alle zwei Stunden, das macht ja echt ein schlechtes Gewissen –, gleitet sein Blick über das Hemd, die Wölbung kurz vor Beginn der Hose, die jetzt beim ersten Knopf geöffnet sein muss, damit keine Erstickungszustände eintreten, und wird dann so richtig besinnlich.

Eigentlich müsste Mann mal abnehmen, denkt sich Mann, während er sich wie anno 2004 schon wieder aufregt, dass bei der Wiederholung der Fußballbundesliga im Fernsehen erneut dieser blöde van Bommel von Bayern München den Elfmeter verschossen hat, worüber Mann sich damals schon kaum beruhigen konnte. „Diese Millionäre, die sollen mal richtig rennen, die Memmen“, entfährt es ihm.

Und als Mann sich vor lauter Aufregung aus dem Sessel hochwuchten will, um mit der Hand fuchteln zu können, da fährt es ihm herzerbarmend in den Rücken. Welch' ein Schmerz, als die schönste und liebste aller Gattinnen gerade die Haustür aufschließt: „Was hast Du, Liebling?“

„Hexenschuss!“

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