Glosse: BDA und DGB Seit' an Seit'

Von Bernhard Huber

Was haben Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) gemeinsam? Dass sie Kontrahenten sind. Die einen setzen sich für die Interessen der Arbeitgeber ein, die anderen für diejenigen der Arbeitnehmer. Nun, da dem abflauenden Industriezeitalter die Fachkräfte ausgehen, entdecken BDA und DGB ein gemeinsames Interesse: Arbeit und nichts als sie. Arbeit ist gemeint, die man nicht gibt und nicht nimmt; die keine BDA billig verhökert und kein DGB teuer verteidigt; für die keiner streikt und keiner ausgesperrt wird; nach der man weder Feierabend noch Urlaub hat. Arbeit also, die den Eltern in die Wiege gelegt wird: die Erziehung ihrer Kinder. Weil aber genau diese Arbeit in ihren sonst so gegensätzlichen Weltbildern nicht vorgesehen ist, ziehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Seit' an Seit' gegen das Betreuungsgeld zu Felde.

Dabei versuchen sie gar nicht erst den Eindruck familienpolitischer Sachkunde zu erwecken, und erst recht bringen sie kein Verständnis für die Bedürfnisse von Müttern, Vätern oder Kindern auf. Die Idee, dass man in den Ausbau der Krippen- und gleichzeitig in den Ausbau der Betreuung durch die Eltern investieren kann, hat in ihrem Vorstellungsvermögen keinen Platz. Dafür weiß man, wie unlängst einer Presseinformation zu entnehmen war, dass das Betreuungsgeld eine „bildungspolitische Katastrophe“ ist. Als wäre Geld für unsere Dummheit verantwortlich. Dann setzt das Betreuungsgeld auch noch „Fehlanreize für längere Erwerbsunterbrechungen“, das rote Tuch schlechthin für BDA und DGB. Ihnen können es Eltern nur recht machen, die ihre Kinder von Fachkräften betreuen lassen, deren Kinder von Fachkräften betreut werden, deren Kinder von Fachkräften betreut werden...

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