Glosse: Am Anfang war das Bier

Am Anfang war das Wort, heißt es in der Bibel. Am Anfang war die Tat, heißt es in Goethes Faust. Am Anfang war das Bier, heißt es bei Karin Bojs, einer schwedischen Wissenschaftsjournalistin. Sie hat kürzlich der spanischen Tageszeitung El Pais ein Interview gegeben und dabei eine kühne These aufgestellt – „Wir Menschen haben“, so sagte sie, „die Landwirtschaft nur deshalb entwickelt, weil wir Bier brauen wollten.“ Sie begründete ihre Aussage mit der Entdeckung deutscher Archäologen, die in der Türkei nahe eines Ortes mit dem Namen Göbekli Tepe Becher und große Kübel ausgegraben haben, in denen sie Enzyme fanden, die bei der Herstellung von Bier anfallen. „Ich glaube nicht“, so die Publizistin, „dass das Essen von Milchbrei für einen derartigen kraftvollen Schub sorgt, der notwendig ist, um eine neue Kultur und einen neuen Lebensstil zu schaffen.“ In einem Lexikon lese ich, dass der systematische Anbau landwirtschaftlicher Nutzpflanzen vor etwa 12 000 Jahren begann. Ich stelle mir folgende Szene vor: Am Eingang einer Höhle brennt ein Lagerfeuer, um das unsere Vorfahren sitzen und darüber diskutieren, was sie mit den blöden Weizenkörnern anfangen sollen, mit der Hirse (noch blöder) und dem Hafer (absolut blöd). Es muss doch etwas geben, so meinen sie, das einen zu neuen Ufern aufbrechen lässt – mit Prost und so, oder vielleicht mit oans-zwoa-gsuffa. Etwas, das man in einem Krug hochheben kann, mit dem man anstößt und auf ex aussaufen kann. Und dann muss einer mit einer Hopfendolde gekommen sein und einer mit Gerste und Malz. Die menschliche Intelligenz schlug Purzelbäume und, heureka, das Bier war geboren. In diesem Sinne gratulieren wir dem Deutschen Brauerbund, der am Sonntag, den 23. April, den Tag des Deutschen Bieres feiert. Michael Ludwig

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