Glosse: Als der kleine Alexis abhob

Jetzt hat der kleine Alexis (über den wir ja schon zu klagen hatten) vergessen, seine Schwerkraftrechnung zu bezahlen. Darum schwebt er nun, ganz ohne Bodenhaftung, im Haus von Raum zu Raum. Er schwebt und schwebt, hoch über den Köpfen der anderen Kinder, die ihn staunend angaffen. Sein Spielzeug ist jedoch im freien Fall. Was immer er anfasst, das stürzt bald zu Boden. Manches zerbricht, anderes macht hässliche Flecken. Letztere lassen sich zwar mit dem Putzmittel Ouzo wieder entfernen (ein altes balkanisches Hausmittel), doch das wird bald so knapp wie der Sand in der roten Wüste.

Manche sagen, der listige Giannis habe den kleinen Alexis dazu angehalten, seine Schwerkraftrechnung einfach im Klo runterzuspülen. Das ist gut möglich. Giannis ist bekannt dafür, dass er mit breitem Grinsen makabre Geschichten erzählt. Zum Beispiel diese: Ein Räuber stürzt mit geladenem Revolver in eine Bank. Direkt vor der Kasse hält er sich den Revolver an die Schläfe, schreit „Von euch lasse ich mich nicht erpressen!“ – und drückt ab. Ob der Bankdirektor später zum Psychiater oder ins Kloster geht, wissen wir nicht, denn Giannis' Geschichte endet damit, dass der Räuber mit friedlichem Lächeln auf den Lippen stirbt, aus reiner Freude über den Schreck der Bankangestellten. Nun ist der Kindergarten in heller Aufregung, denn Giannis hat den Kindern – als sie gerade dabei waren, mit Ouzo die Flecken aufzuwischen, die der kleine Alexis wieder gemacht hat – erzählt, sein Papa habe den Original-Revolver des Räubers zu Hause. Und den bringe er morgen mit. Stephan Baier

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