Glosse: Alles Müller, oder was?

Von Stefan Rehder

Deutschland ist im Müller-Rausch. Nicht weil es seit dem WM-Start Unmengen an rechtsgedrehtem Kefir in sich hineingeschüttet hätte, sondern weil Thomas Müller einfach begeistert; als Fußballer und als Mensch. Der bodenständig gebliebene Stürmer des FC Bayern München trabt nicht nur ohne Haargel, Tattoos und Platin-Kettchen über den Platz, sondern auch ganz ohne Starallüren durch das Leben. Der sympathische Oberbayer, der bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika mit fünf Toren zum Torschützenkönig des Turniers gekürt worden war, hat in Brasilien in einem einzigen Spiel bereits 60 Prozent seiner damaligen Trefferquote erzielt. In der vom Brasilianer Ronaldo (15 Tore) angeführten Liste der erfolgreichsten WM-Torschützen aller Zeiten liegt der Weilheimer mit nun acht WM-Toren bereits gleich auf mit Rudi Völler und Diego Maradona auf Rang 24. Mit dem feinen, aber bemerkenswerten Unterschied, dass Völler für die gleiche Anzahl Treffer drei und „Die Hand Gottes“ sogar vier Weltmeisterschaften benötigten. Gut möglich, dass Thomas Müller im Laufe dieser WM also noch näher an seinen Namensvetter, den unvergessenen „Bomber der Nation“ heranrückt. Der schoss in nur zwei Weltmeisterschaften sage und schreibe 14 Tore. „Netzt“ der Mann mit den Storchenbeinen heute Abend – im zweiten Gruppenspiel der Deutschen gegen Ghana – erneut ein, würde der 24-jährige zumindest die Gruppenphase zu „Müller-Festspielen“ machen und dem Traum vom „Sommermärchen“ neue Nahrung geben. Da wäre es gut, wenn die Kanzlerin schon jetzt überlegte, wem sie im weiteren Verlauf des Turniers ihr Vertrauen aussprechen könnte. Müller natürlich nicht. Aber Mario Balotelli – das könnte helfen.

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