Teheran

Gesundheitszustand iranischer Menschenrechtlerin massiv verschlechtert

Nasrin Sotoudeh gehört weltweit zu den bekanntesten iranischen Menschenrechtsverteidigern. Nach einem mehrwöchigen Hungerstreik in einem Frauengefängnis soll sich ihr zustand rapide verschlechtert haben.

Iranische Menschenrechts-Anwältin Nasrin Soutoudeh
Nasrin Sotoudeh gehört weltweit zu den bekanntesten iranischen Menschenrechtsverteidigern. Sie hat unter anderem Schirin Ebadi verteidigt, die 2003 den Friedensnobelpreis erhielt. Foto: Abedin Taherkenareh (EPA)

Der Gesundheitszustand der iranischen Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh, die sich seit vier Wochen im Frauentrakt des Evin-Gefängnisses im Hungerstreik befindet, hat sich nach Angaben ihrer Familie in den vergangenen Tagen rapide verschlechtert.

2010 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt

Nasrin Sotoudeh gehört weltweit zu den bekanntesten iranischen Menschenrechtsverteidigern. Sie hat unter anderem Schirin Ebadi verteidigt, die 2003 den Friedensnobelpreis erhielt. Zuletzt setzte sich Sotudeh für Frauen ein, die gegen das Kopftuchgebot protestierten. Bereits 2010 wurde sie zu elf Jahren Gefängnis wegen angeblicher Propaganda gegen das System verurteilt, kam nach internationalen Protesten 2013 aber frei. Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) wurde sie zuletzt zu einer Haftstrafe von 33 Jahren und 148 Peitschenhieben verurteilt.

Der Iran hat während der Pandemie bisher zahlreiche Inhaftierte entlassen. Sotudeh und andere Bürgerrechtler blieben aber hinter Gittern. Das Europäische Parlament zeichnete sie im Jahr 2012 für ihren mutigen Einsatz für Menschenrechte mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit aus. Der Deutsche Richterbund hatte Nasrin Sotoudeh Anfang September mit dem Menschenrechtspreis 2020 geehrt. Die iranische Frauenrechtlerin Mansoureh Shojaee nahm die Auszeichnung stellvertretend entgegen. Nach der Preisverleihung luden Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender Shojaee ein und sprachen mit ihr über Nasrin Sotoudeh.

Die Mullahs fürchten sich vor ihr

Martin Lessenthin, IGFM-Vorstandssprecher, der bei beiden Veranstaltungen in Berlin dabei war, sagte anschließend gegenüber der „Tagespost“: „Nasrin Sotoudeh symbolisiert in ihrer Person die gebildeten iranischen Frauen, die gleiche Rechte und Rechtsstaatlichkeit einfordern. Die Mullahs fürchten sich vor ihr. Sie ist unverzichtbar für die iranische Zivilgesellschaft und eine mutige Frau, die zuerst an andere und nicht an sich denkt“.  DT/chp