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Gescheitert am Hindukusch

In Afghanistan versagte auch die deutsche Politik. Die dschihadistische Bewegung feiert den Abzug des Westens als Sieg. Ein Gastkommentar.

Konflikt in Afghanistan
Afghanische Soldaten nehmen an einer Militäroperation teil. Sind die Machtübernahme der Taliban und eine Massenflucht nach Europa noch abzuwenden? Foto: Sanaullah Seiam (XinHua)

Nun ist es entschieden: Die Bundeswehr wird Afghanistan verlassen, nachdem die USA den Abzug der westlichen Truppen verkündeten. Eine bereits im Februar 2020 ausgehandelte Vereinbarung soll ihn sichern. Washington kam damals den Taliban weit entgegen. Die verspürten danach keine Neigung mehr, mit der afghanischen Regierung zu reden. Präsident Ghani hat kaum Rückhalt. Warum verhandeln? Mit der amerikanischen scheiterte auch die deutsche Politik.

Heute ist Afghanistan ein destabilisiertes Land

Einst sollte am Hindukusch Deutschlands Sicherheit verteidigt werden, heute ist Afghanistan ein destabilisiertes Land. Der ehemalige Bundeswehrstandort Kunduz wurde im September 2015 von den Taliban überrannt, das deutsche Generalkonsulat Mazar-e-Scharif musste 2016 evakuiert werden. Schließlich zerstörte ein Anschlag im Mai 2017 die deutsche Botschaft in Kabul. Ab 2018 zog sich dann die Bundesregierung aus der internationalen Afghanistanpolitik zurück. Ihr Versuch, mit Hilfe einer kleinen Nichtregierungsorganisation zu vermitteln, wirkte naiv. Selbst sichere Hilfsprojekte, etwa ein Digitalisierungslehrgang für afghanische Studenten, wurden eingestellt.

Sind die Machtübernahme der Taliban und eine Massenflucht nach Europa noch abzuwenden? Unter Einbeziehung moderater Taliban könnte eine Übergangsregierung ohne Präsident Ghani vielleicht den Weg zu einer friedlichen Lösung ebnen. Notwendig wäre allerdings, einen solchen Ansatz von außen zu unterstützen.

Die dschihadistische Bewegung jedenfalls feiert den Abzug des Westens als Sieg, denn Afghanistan, das alte Khorasan, spielt für den militanten Islam eine zentrale Rolle. Sie beruht auf Hadiths, alten Spruchweisheiten, die dem Propheten Mohammed zugeschrieben werden. Ein Hadith liest sich wie der Leitspruch zum Anschlag vom 11. September 2001: „Khorasan ist der Köcher Allahs, aus dem er Pfeile schießt, wenn er einem Volke zürnt“.

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