Würzburg

Gender, Identitätspolitik & Co: Eine mentale Überforderung

Bei vielen kommen die neuen Forderungen und Veränderungszwänge in Sachen Gendersprache als eine Art Explosion von Komplexität an, der sich viele nicht mehr gewachsen fühlen. Ein Gastkommentar.
Gendersprache
Foto: Peter Steffen (dpa) | Eine Signalgeberscheibe, die ein Frauenpaar zeigt, liegt bereit zum Einbau an vier Ampelanlagen in der Innenstadt von Hannover.

Vom Bürger werden derzeit auf vielen Gebieten gigantische Lernprozesse erwartet. Bei vielen kommen die neuen Forderungen und Veränderungszwänge als eine Art Explosion von Komplexität an, der sich viele nicht mehr gewachsen fühlen. Beispiele: Hat der Bürger gerade erst gelernt, nationale Interessen um die Belange der europäischen Ebene zu ergänzen, so soll er jetzt schon zügig auch die Probleme der globalen Ebene in seinem Denken berücksichtigen.

Die Bürger müssen mitgenommen werden

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Hat er gerade erst genderkonform die Sprech- und Schreibweise Bürger*innen kapiert, so soll er jetzt schon professionell mit den Begriffen „nichtbinär“, „queer“ und „trans“ jonglieren. Hat er gerade verinnerlicht, dass die Begriffe „Mohrenkopf“ und „Zigeunerschnitzel“ nicht mehr korrekt sind, so muss er schon wieder lernen, dass eine Afrolookfrisur bei weißhäutigen Menschen wegen „blackfacing“ oder „Cancel Culture“ nicht akzeptiert werden kann, während eine Blondfärbung der Haare bei Menschen anderer Hautfarbe korrekt ist.

Das kann ja alles diskussionswürdig  sein, nur müssen die Bürger mit guten Begründungen und gewissen Lernzeiten auch „mitgenommen“ werden, unnötige Übertreibungen sollten tunlichst vermieden werden. Nur so kann verhindert werden, dass sich ganze Bevölkerungsgruppen „ausklinken“ und nicht mehr „mitspielen“. Wir dürfen nicht zulassen, dass bei uns in Deutschland und Europa auf Grund einer zu rigorosen Umsetzung dieser neuen Forderungen eine Spaltung der Gesellschaft á la Trump entsteht. Gewissenlose Agitatoren, die all die Neuerungen summa summarum ablehnen und auf das „Altbewährte“ setzen und obendrein noch raffiniert Verlustängste bei den „alten weißen Männern“ schüren, sind schnell gefunden. „Eile mit Weile“ ist ein alter und bewährter deutscher Grundsatz, der auch auf diesem sensiblen Gebiet Anwendung finden sollte.

Der Autor ist ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlamentes (CSU) und Präsident des Europäischen Wirtschaftssenats.

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