Geht mal beichten, Jungs!

Deutsche Zeitungen haben offenbar ein Problem mit der Sünde

Von Guido Horst

Ach Gottchen, was haben die sich aufgeregt, „Bild“-Zeitung und „Die Welt“ und was sonst noch etwas zu sagen hat. „Neue Todsünden – Die katholische Kirche will eine Moraldiktatur“ titelte „Welt-online“, so als wäre ihnen der Leibhaftige in die Tastatur gefahren. Ist ja immer so. Italienische Zeitungen wie „La Repubblica“ bauschen etwas auf, was aus den „sacri palazzi“, den heiligen Hallen des Vatikans sickert, deutsche Journalisten in Rom können vielleicht ganz gut Englisch, aber nur schlecht Italienisch, verstehen die Hälfte falsch und machen daraus eine Sensation. Und jetzt haben wir den Salat: Eine Moraldiktatur!

Dabei hatte der oberste der römischen Beichtväter, ein Franziskaner-Bischof namens Gianfranco Girotti, in einem Interview mit dem „Osservatore Romano“ nur so unschuldig wie richtig darauf hingewiesen, dass sündhaftes Verhalten nicht nur den Einzelnen betreffe, sondern auch der Gesellschaft schaden könne. Beispiel Drogenhandel, Umweltverschmutzung und Missbrauch von Kindern. Eigentlich völlig klar. Aber wenn es um Sünde oder gar Todsünde geht, scheint sich manchem in deutschen Redaktionen der Magen rumzudrehen – und der Verstand gleich mit.

Geht mal beichten, Jungs, dann werdet ihr schon sehen, welch feine Sache das ist, sich von der Last der Sünde zu befreien. Von wegen Diktatur. Ungemein dümmer ist die Gesinnungsdiktatur, die einige Massenblätter mit entsprechenden online-Diensten in den Köpfen der Menschen errichten wollen. Vor die Wahl gestellt, in der Karwoche „Bild“-Zeitung zu lesen oder bei einem römischen Pönitentiar – so heißen die Sündenexperten im Dienste Seiner Heiligkeit – zur Beichte zu gehen, entscheiden wir uns jedenfalls für Letzteres. Übrigens, liebe Rom-Besucher: Die verstehen und sprechen eine ganze Menge europäischer Sprachen.

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