Gaza-Krieg geht weiter: Jetzt sprechen die Waffen wieder

Nach dem Scheitern der Verhandlungen in Kairo und einem Anschlag auf Hamasführer Deif eskaliert die Lage ein weiteres Mal
Foto: dpa | Nach dem Scheitern der Verhandlungen prägen sie erneut das Bild des Nahen Ostens: Raketentreffer im Gaza-Streifen.
Foto: dpa | Nach dem Scheitern der Verhandlungen prägen sie erneut das Bild des Nahen Ostens: Raketentreffer im Gaza-Streifen.

Tel Aviv/Gaza (DT/dpa) Nach dem Scheitern von Waffenruhe-Verhandlungen in Kairo ist der Gaza-Krieg wieder voll entflammt. Militante Palästinenser feuerten rund 70 Raketen auf Israel, die israelische Armee griff Dutzende von Zielen im Gazastreifen an. Israel bestätigte am Mittwoch auch den Versuch einer gezielten Tötung des Militärchefs der im Gazastreifen herrschenden Hamas. Nach Angaben der Hamas kamen bei dem Luftangriff auf ein Haus in Gaza am Dienstagabend die Ehefrau und der kleine Sohn von Mohammed Deif ums Leben. Zunächst war von einer getöteten Tochter die Rede gewesen. Bei einem weiteren Luftangriff wurden acht Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet. Israelische Medien berichteten am Mittwoch, die Identität eines dritten Toten bei dem Angriff auf Deif sei noch unklar.

Mohammed Deif gilt in Gaza als einer der wichtigsten Drahtzieher, er hat schon mehrere Attentate durch Israel überlebt. Israel wirft ihm vor, er dirigiere den Gaza-Krieg aus dem Untergrund. Nach dem Angriff feuerten Anhänger des militärischen Hamas-Arms, der Al-Kassam-Brigaden, Dutzende Raketen in Richtung Tel Aviv, wie die Organisation mitteilte. Auch am Mittwochmorgen schlugen mehr als zehn aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen in Israel ein.

Bei einem israelischen Angriff auf ein Gebäude in Dir el Balach im Gazastreifen wurden nach palästinensischen Angaben acht Mitglieder einer Familie getötet.

Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete am Mittwoch, unter den Toten seien die Eltern sowie mehrere Kinder. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als sechs Wochen sind mehr als 2 000 Palästinenser getötet und mehr als 10 000 verletzt worden. Auf der israelischen Seite kamen 64 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Eine Feuerpause zwischen Israel und den militanten Palästinensern war am Dienstag zusammengebrochen. Beide Seiten machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Die Regierung in Jerusalem zog aus Protest gegen neue Raketenangriffe ihre Verhandlungsdelegation aus Kairo ab. Dort sollte eine dauerhafte Waffenruhe ausgehandelt werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Bruch der von Ägypten vermittelten Waffenruhe aufs Schärfste. Ban sei sehr enttäuscht über die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten. Er erinnerte nach Angaben der Vereinten Nationen vom Dienstag in New York beide Seiten an ihre Verantwortung, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Ban rief Israel und die Palästinenser auf, sich umgehend auf eine dauerhafte Feuerpause zu verständigen.

Noch vor Ablauf einer Feuerpause um 23.00 Uhr MESZ am Dienstagabend waren drei Raketen aus dem Gazastreifen in der Nähe der Wüstenstadt Beerscheva eingeschlagen, sagte eine israelische Militärsprecherin. Israel reagierte sofort mit neuen Luftangriffen. Später heulten in weiten Teilen Israels wieder die Sirenen, unter anderem in Jerusalem. Im Großraum von Tel Aviv schlug eine Rakete ein.

Die Hamas wies Israel mit seiner Besatzungspolitik die Schuld an der Eskalation der Gewalt zu. Schon zuvor hatte die Hamas Israel vorgeworfen, die Gespräche in Kairo über eine dauerhafte Gaza-Waffenruhe bewusst zu verzögern. Auch der Leiter der palästinensischen Delegation, Asam al-Ahmed (Fatah), warf Israel vor, die Verhandlungen durch seine Unnachgiebigkeit gezielt zum Scheitern gebracht zu haben. Laut palästinensischen Medienberichten standen beide Seiten zwischenzeitlich kurz vor dem Abschluss einer mehrwöchigen Waffenruhe.

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