Gauck glaubt an Verlässlichkeit der USA

„Wir sind verteidigungsbereit“ – Bundespräsident besucht die aufgestockte schnelle Eingreiftruppe der NATO in Stettin

Stettin (DT/dpa) Bundespräsident Joachim Gauck hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump aufgefordert, an den Nato-Verpflichtungen zur gemeinsamen Sicherheitspartnerschaft festzuhalten. „Es ist schwer vorstellbar, dass ein amerikanischer Präsident vom Grundgedanken des Verteidigungsbündnisses Abstand nimmt, sagte Gauck am Montag nach einem Besuch des Hauptquartiers des Multinationalen Korps Nordost (MNC NE) der NATO in Stettin. Trump hatte im Wahlkampf offengelassen, wie er das Verhältnis zur NATO künftig gestalten will. Nicht alles, was im Wahlkampf gesagt werde, werde in der praktischen Politik eins zu eins umgesetzt, sagte Gauck. „Ich gehe davon aus, dass ein Grundzug amerikanischer Außenpolitik Verlässlichkeit ist.“ Die NATO sei geschaffen worden nicht nur zur Verteidigung Europas, sondern auch zur Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Gemeinsam mit seinem polnischen Kollegen Andrzej Duda hatte sich der Bundespräsident über die Arbeit und den Bereitschaftsgrad der von Deutschland, Polen und Dänemark geführten Einheit informiert. Sie soll im Krisenfall das Kommando über die schnelle Eingreiftruppe der NATO übernehmen, die „Speerspitze“. Duda lobte die Zusammenarbeit in dem Korps als Beispiel für die gemeinsame Sicherheit unter dem Dach der NATO. Gauck versicherte Duda, Polen müsse keine Sorgen haben, dass Deutschland „in Traumtänzerei verfalle oder sich seinen Verpflichtungen entziehen werde“. Die Arbeit im Multinationalen Korps sei niemals eine Bedrohung, sondern ein Zeichen: „Wir sind verteidigungsbereit, wenn unsere Integrität und unsere Werte angegriffen werden.“ Die Arbeit des Korps in Stettin lobte Gauck als praktisches Zeichen gelebter gemeinsamer Solidarität angesichts zum Teil epochaler internationaler Veränderungen.

Das Korps in Stettin wurde als Reaktion auf die Ukraine-Krise seit 2015 von 200 auf rund 400 Soldaten aufgestockt. Davon sind etwa 100 aus Deutschland. Die Einheit erhöht derzeit ihren Bereitschaftsgrad, um wirksam auf die Herausforderungen durch Moskau an der östlichen NATO-Flanke reagieren zu können. In dem Korps arbeiten hauptsächlich Experten der Landstreitkräfte sowie in geringerem Umfang auch der Luft- und Seestreitkräfte sowie Soldaten von Spezialeinheiten. Der Verband soll Mitte 2017 voll für seine neuen Aufgaben gerüstet sein. Am MNC NE sind Truppen aus 25 Nationen beteiligt, darunter auch die USA, Großbritannien und die Türkei. Es wurde 1999 nach dem Beitritt Polens zur NATO in der westpolnischen Hafenstadt Stettin aufgestellt.

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