Gastkommentar : Sicherheit ist Thema für Kirche

Von Rainer Wendt

Die Angst wächst in Deutschland. Viele Menschen fühlen sich unsicher, die Befragungen stellen eine sinkende Zahl derjenigen fest, die sich sicher fühlen und unbeschwert öffentliche Räume oder Verkehrsmittel nutzen. Die Berichte über Terroranschläge und Gewalt auf unseren Straßen reißt nicht ab, soziale Netzwerke machen aus jeder Tat, auch in der kleinsten Gemeinde, ein nationales Ereignis.

Entgegen mancher Behauptung ist es nicht allein eine veränderte Wahrnehmung, die für größere Unsicherheit sorgt, denn objektive Zahlen belegen steigende Gewaltkriminalität. Tötungen, Messerattacken, Raubdelikte und neue Formen von Sexualstraftaten erzeugen Vermeidungsverhalten und schränken Freiheit ein. An vielen Schulen verzweifelt das Lehrpersonal. Parallelgesellschaften erzeugen ein Gefühl der Ohnmacht von Polizei und Justiz und der anhaltende Kontrollverlust bei der Zuwanderung nach Deutschland setzt Besorgnisse frei, die von der Politik nur unzureichend beantwortet werden. Viele Menschen geraten in Zweifel, ob der „Vertrag“ noch stimmt, der von der Bevölkerung Gewaltlosigkeit fordert, dem Staat deshalb aber auferlegt, wirksam für den Schutz der Menschen zu sorgen.

Die Diskussion verläuft häufig in eingefahrenen Kommunikationsmustern. Hier die Praktiker, die konkrete Forderungen stellen, auf Gefahren und Versäumnisse hinweisen, dort diejenigen, die selbst nicht von Kriminalität betroffen sind, sich stets in gefahrlosen Bereichen bewegen und in ständiger Beschwichtigungsrhetorik verharren. Politische Erklärungsmuster beschränken sich häufig auf gekonnte Deutungen der sogenannten Kriminalitätsstatistik. Kirchen haben eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie sollten mit ihrer Autorität Räume schaffen, wo in einer guten Diskussionskultur nach Lösungen gesucht wird. Sicherheit und Freiheit sind zutiefst christliche Anliegen, sie sind Gebote der Nächstenliebe, der Menschlichkeit und des friedlichen Miteinanders der Menschen.

Der Autor ist Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

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