Jerewan

Gastkommentar: Sicherheit für Berg-Karabach

Angriff auch auf Christen. Das Programm scheint klar. Es braucht umfassende Sicherheitsgarantien für Armenien.

Berg-Karabach: Angriff auch auf Christen
Ein Kruzifix hängt in einem Auto, das durch Beschuss durch aserbaidschanische Artillerie während eines militärischen Konflikts in selbsternannten Republik Berg-Karabach beschädigt wurde. Foto: Dmitri Lovetsky (AP)

Der Beschuss der armenischen Kathedrale von Schuschi am 8. Oktober macht symbolhaft deutlich, dass der neu aufgeflammte blutige Konflikt um die de-facto-Republik Berg-Karabach wenigstens indirekt religiöse Hintergründe hat, die schon während des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielten. Nach gemeinsamen türkisch-aserbaidschanischen Manövern begann mit dem 27. September eine Angriffswelle auf die von armenischen Christen bewohnte Republik Berg-Karabach.

Zivile Opfer

Viele Zivilisten starben, Tausende flohen in sichere Gebiete. Die Türkei – Mitglied der NATO – verlegte dschihadistische Söldner aus Syrien auf das Schlachtfeld in Berg-Karabach. Beobachter sind davon überzeugt, dass der eigentliche Drahtzieher der Angriffe auf Berg-Karabach in Ankara zu suchen sei. Und tatsächlich fügt sich die Kriegsrhetorik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen militärische Unterstützung für den turksprachigen Bruderstaat Aserbaidschan nahtlos in Erdogans islamistisch imprägnierte, expansive Politik ein.

Erdogans Strategie wird symbolisch dargestellt durch die Umwandlung der Hagia Sophia zur Moschee und wird umgesetzt in Libyen, im östlichen Mittelmeer, in Syrien und nun auch im Kaukasus. Der Konflikt um Berg-Karabach zeigt, dass es höchste Zeit ist, Erdogans Neo-Ottomanismus in die Schranken zu weisen.

Waffenruhe kein Provisorium

Damit die seit dem 10. Oktober geltende Waffenruhe zwischen Aserbaidschan und Armenien kein Provisorium bleibt, sollten die Bundesrepublik Deutschland und ihre NATO-Partner die militärische Unterstützung für die Türkei und Aserbaidschan aussetzen. Umfassende Sicherheitsgarantien müssen Berg-Karabach durch die NATO und die Organisation des Vertrags für kollektive Sicherheit (OVKS) zugesagt werden und schließlich sollte die Bundesrepublik das Recht auf Selbstbestimmung der christlich-armenischen Bevölkerung von Berg-Karabach anerkennen.


Der Autor, katholischer Priester, ist Geschäftsführer von Christian Solidarity International in Deutschland.

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