Gastkommentar: Rückenwind für Sonntagsschutz

Von Martin Kastler

„Der Sonntag ist paneuropäischer Ruhetag!“ – so steht es seit vergangener Woche im neuen Grundsatzprogramm der Europäischen Volkspartei. Europas größte Parteienfamilie bekennt sich damit unmissverständlich zum arbeitsfreien Sonntag. Klare, christliche Akzente der konservativen Volksparteien, die man nach den vorangegangenen, leidlichen Debatten fast nicht mehr erwartet hätte. Dass wir dieses Ergebnis nach dem Parteitag vergangener Woche in Bukarest dennoch feiern können, ist ein Meilenstein. Es ist, in der anhaltenden Vertrauenskrise, ein Bekenntnis für das Europa der Werte – und ein Signal gegen eine Gesellschaft, die sich beinahe ruhelos in den Burn-Out konsumiert. Es ist das Ergebnis einer katholischen Teamarbeit in Europa. Eingebracht hat ihn die slowakischen KDH (Kresanskodemokratické hnutie), durchsetzen konnten wir ihn gemeinsam. Allein die Schweden stimmten gegen den Vorschlag – auch für sie gilt ab jetzt das neue, gemeinsame Grundsatzprogramm.

Europa ist damit aber noch nicht am Ziel. Um den Sonntag europaweit zu schützen und zu sichern, muss er – mindestens – zurück in die EU-Arbeitszeitrichtlinie. Dorthin, wo ihn der Europäische Gerichtshof 1996 juristisch gekickt hatte. Gerade eben verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf europäischer Ebene im Sozialpartner-Dialog eine Neufassung der Richtlinie. Bekennen sie Farbe und ist der arbeitsfreie Sonntag Anfang nächsten Jahres Teil ihres gemeinsamen Vorschlags, wären wir fast am Ziel. Fehlt er aber, sollte endgültig der Bürgerwille entscheiden. Dann ist es endlich Zeit für eine Europäische Bürgerinitiative. Ich habe dafür mit einer Onlinekampagne die Grundlage bereitet. Eine Million Stimmen aus mindestens sieben Mitgliedsstaaten – das ist machbar. Zumal wir mit der Unterstützung vieler Gewerkschaften rechnen können. Klar ist aber auch: Die echten Sonntagsschützer sind in den Kirchen zu Hause! Damit eine Bürgerinitiative für den Sonntag Erfolg hat, braucht es eine klare Botschaft unter christlicher Federführung.

Dass 73 europäische Volksparteien sich in ihrem Grundprogramm unmissverständlich dazu bekennen, stärkt unsere Position. Der arbeitsfreie Sonntag ist und bleibt europäisches Kulturgut von höchstem Wert. Wir sind Sonntagsschützer! Europas christliche Politiker können sich darauf verlassen, dass die Kirchen und ihre Verbände gemeinsam anpacken, wenn es darum geht, den Feier- und Familientag zu schützen.

Der Autor ist Abgeordneter im Europa Parlament.

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