Gastkommentar: Papst Franziskus drängt zu Recht

Von Prof. Heinz-Gerhard JustenhoveN

Die Nuklearwaffen stellen ein enormes Risiko dar und sind zugleich nicht so einfach aus der Welt zu schaffen, wie wir es gerne hätten. Dennoch sind diese Waffen und das know how, um sie herzustellen, in der Welt. Die politische Drohung als Rückversicherung ist Teil unserer Abschreckungsstrategie, die auch unsere Kirche seit über fünf Jahrzehnten als gerade noch tolerierbar angesehen hat, um die Frist zu nutzen, andere Formen der Friedenssicherung zu finden. Sie hat in Europa Frieden und Freiheit gesichert. Zugleich sind die mit Atomwaffen verbundenen Risiken nicht geringer geworden, sondern eher gewachsen: Die Zahl der Atommächte ist stetig gewachsen; aktuell verfügen nach Angaben des SIPRI (Stockholm International Peace Research Institute) neun Staaten weltweit über etwa 4 000 stationierte Nuklearwaffen: USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea; weitere Staaten streben danach, genauso wie Terrororganisationen versuchen, Nuklearwaffen zu nutzen. Die verschiedenen Konflikte im Nahen Osten werden erheblich eskalieren, wenn dort weitere Staaten Atomwaffen in die Hand bekommen.

Aktuell laufen Modernisierungsprogramme aller Atomstaaten, deren Kosten in den kommenden Jahren nach seriösen Schätzungen auf mehrere 100 Milliarden US-Dollar geschätzt werden. Außerdem weißt niemand, wie der verseuchte Müll der schon vorhandenen Atomwaffen entsorgt werden soll.

Angesichts der unvorstellbaren Kosten, aktuellen Risiken und enormen globalen Folgerisiken auch des politischen Gebrauchs der Atomwaffen, der auch noch unzählige Generationen nach uns betreffen wird, drängt Papst Franziskus zu Recht auf einen allgemeinen Verzicht von Atomwaffen. Das wird weder leicht noch schnell zu erreichen zu sein, aber es muss das klare Ziel der Politik sein. Die UN-Initiative von 130 Staaten ist eine Chance, einen politischen Prozess in Gang zu setzen, an dessen Ende die nukleare Abrüstung stehen soll. Daran sollte sich Deutschland in der UN beteiligen, auch wenn es selbst keine Atomwaffen besitzt: Die Herausforderung der UN-Initiative besteht heute darin, nicht nur den Einsatz, sondern auch den Besitz von Atomwaffen unter UN-Aufsicht wirksam zu ächten. Dieser Schritt ist unbedingt erforderlich, weil mit dem Besitz von Nuklearwaffen auch das atomare Erpressungspotenzial bestehen bleibt. Nur so kann sich die Menschheit von dem Albtraum eines Einsatzes von Atomwaffen oder eines Unfalls mit Nuklearwaffen befreien. Nukleare Verseuchung macht schließlich an keiner Grenze halt.

Der Autor ist Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg

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