Gastkommentar: Nur die Liebe bringt Leben

Von Prälat Klaus Krämer

Am vergangenen Sonntag ist das von Papst Franziskus ausgerufene außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit zu Ende gegangen. Der Papst hat mit dieser Initiative einen wichtigen Impuls gesetzt. Er hat unseren Blick darauf gerichtet, wie zentral das Motiv der Barmherzigkeit für unser Gottesverständnis und für unser Glaubenszeugnis als Christen in dieser Welt ist.

Als Missionswerke haben wir diesen Impuls dankbar aufgegriffen. Mit Veranstaltungen, Ausstellungen und Informationsmaterialien konnte das Interesse der Menschen geweckt werden. An über 1 000 Kirchtürmen und Gemeindehäusern hingen Banner mit dem Foto von Papst Franziskus und unserer Projektarbeit in Afrika, Asien und Ozeanien. In diesen Bildern wird anschaulich, wie engagierte Christen aus ihrem Glauben heraus Menschen in ganz konkreten Notsituationen hilfreich zur Seite stehen und damit ein authentisches Zeugnis für die Wirksamkeit der barmherzigen Liebe Gottes in unserer Welt ablegen.

Auch wenn sich die Heiligen Pforten mit dem Ende des Kirchenjahres wieder schließen, bleibt doch der Impuls, den Papst Franziskus mit diesem Heiligen Jahr gesetzt hat, weiterhin wirksam. Denn die Herausforderungen sind nicht weniger geworden. Weiterhin bedarf es des Engagements für die Menschen an den existenziellen Rändern unserer globalisierten Welt. Nach wie vor sind weltweit 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg und Perspektivlosigkeit, so viele wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Noch immer herrschen katastrophale Zustände in Syrien und im Irak, noch immer haben ethnische Minderheiten und religiöse Gemeinschaften in Nigeria, Indien, Pakistan oder Vietnam Bedrängung zu erdulden. Im Westen feiert der Populismus ungeahnte Erfolge. Die Erfahrungen aus Großbritannien und den USA zeigen, dass populistische Positionen mehrheitsfähig sind. Die Ängste, die die Menschen für die Botschaften der Populisten empfänglich machen, sind real und müssen ernstgenommen werden. Es ist unser aller Aufgabe und besonders die der Kirchen, auf diese Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören und ihnen im offenen Dialog die Möglichkeiten eines friedlichen Miteinanders aller Menschen in unserem Land aufzuzeigen. Dass dies möglich ist, zeigt das Beispiel das syrisches Priesters Jacques Mourad, der 2015 aus der Geiselhaft des IS fliehen konnte. Auch weiterhin setzt er sich für den friedlichen Dialog von Christen und Muslimen ein. Denn er ist davon überzeugt, dass Liebe alle und alles rettet. Denn nur die Liebe bringt uns das Leben.

Der Autor ist Präsident von missio Aachen.

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