Gastkommentar: Gute Konzepte, ohne Grenzen

Von Rolf Höfert

Seit mehr als zwanzig Jahren wird über den demographischen Wandel und die steigende Anzahl von Pflegebedürftigen mit der Notwendigkeit von zusätzlichen Pflegefachkräften in Deutschland von Talkshow zu Talkshow diskutiert. Inzwischen steht fest, dass bis zum Jahr 2030 die Zahl der Pflegebedürftigen von heute etwa 2,4 Millionen um eine ganze Million ansteigen wird. Das heißt, dass mindestens 120 000 qualifizierte Pflegekräfte zusätzlich benötigt werden. Der schon jetzt vorhandene eklatante Pflegepersonalnotstand in der Bundesrepublik ist hausgemacht, und zwar indem in den letzten zehn Jahren vor allem aus finanziellen Gründen etwa 200 000 Fachkräfte weniger ausgebildet wurden als vorher. Aufgrund der damit einhergehenden hohen Arbeitsdichte in den Einrichtungen steigt zusätzlich die Berufsflucht. Die Anwerbung und der Einsatz von ausländischen Pflegefachkräften ist somit keine Frage des „Ob“, sondern vielmehr eine des „Wie“. Alle im Moment laufenden aktionistischen Maßnahmen zur Anwerbung von Pflegefachkräften aus Portugal, Spanien, Osteuropa und Asien sind dabei lediglich ein Kompensationsansatz. Zu bedenken gilt, dass es sich bei der Altenpflege nicht um einen technischen, materialbearbeitenden Beruf handelt. Sondern im Mittelpunkt der Versorgung auch durch ausländische Pflegekräfte steht der Patient, beziehungsweise der Bewohner in Pflegeeinrichtungen.

Daher gilt dem „Wie“ grundsätzlich eine Justierung der fachlichen Qualifikation und im Wesentlichen die Beherrschung der deutschen Sprache, auch in Schriftform. Das ist in der Kommunikation mit allen Beteiligten in der Versorgungsstruktur, mit den Patienten und insbesondere auch im Rahmen der getroffenen Anordnungen und der Dokumentation rund um den Patienten im Sinne der Qualitätssicherung eine Grundbedingung. Zu bedenken gilt allerdings ein Punkt bei der Beschäftigung besonders von osteuropäischen und asiatischen Pflegekräften, von denen bereits fast 1,5 Millionen in den verschiedenen Pflegestrukturen arbeiten: und zwar in der Pflege dementer Menschen. Denn es ist erwiesen, dass diese „in ihrer Vergangenheit und Biographie leben“ und so eine andere Reaktion auf fremde Kulturen zeigen, die oft nicht vorhersehbar, und daher schwer einzuschätzen ist. Wie sagte Erwin Böhm, ein österreichischer Pflegewissenschaftler, seiner Stadt Wien einst: „Verwirrt nicht die Verwirrten“.

Der Autor ist Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes und Experte für Pflegerecht.

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