Rom

Gastkommentar: Die Würde der alten Menschen

Ein Appell der Gemeinschaft Sant'Egidio will darauf aufmerksam machen, wie alten Menschen besonders unter der Coronakrise gelitten haben.
Corona und alte Menschen
Foto: Federico Gambarini (dpa) | Auch wenn die Krise in Deutschland weniger dramatisch war, hat sich vor allem das Problem der Institutionalisierung der alten Menschen als problematisch herausgestellt.

Mit Vertretern aus Bereichen der europäischen Gesellschaft hat die Gemeinschaft Sant'Egidio einen Appell lanciert, um auf das Drama der alten Menschen in der aktuellen Covid-19 Krise hinzuweisen. Ausgangspunkt sind die „traurigen Geschichten des Hinsterbens alter Menschen“, dass sich mit den Worten von Papst Franziskus keine Wegwerfkultur ausbreitet. Der Appell wehrt sich gegen ein selektives Gesundheitswesen, in dem das Leben alter Menschen als zweitrangig gilt. Unterstützer aus Gesellschaft, Kultur, Kirchen mobilisieren sich mit Tausenden von Jugendlichen und alten Menschen, um eine wirksame Veränderung herbeizuführen. Eine Debatte über das Grundrecht auf Behandlung und den Wert des Lebens soll angeregt werden.

Problem der Institutionalisierung der alten Menschen

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Auch wenn die Krise in Deutschland weniger dramatisch war, hat sich vor allem das Problem der Institutionalisierung der alten Menschen als problematisch herausgestellt; die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen in Heimen war extrem hoch, teilweise über 50 Prozent. Für viele sind Heime zu regelrechten Todesfallen geworden, ohne Beistand der Angehörigen in Krankheit und Sterben. Hier fordert der Appell ein Umdenken, um neue Wohnformen im Alter zu finden, die dem Wunsch der Betroffenen entsprechen. Dabei kann sowohl auf ein System häuslicher Betreuung als auch auf neue Wohnformen zurückgegriffen werden. Alle – Politik, Institutionen, Kirchen – sind gefordert. Das Leben der alten Menschen hat denselben Wert wie das aller anderen – wie es die Überzeugung aller ethischen Ansätze der modernen Gesellschaften festhalten – es ist zudem eine kostbare Ressource an Lebenserfahrung.

Die heutige Generation der alten Menschen hat unser Land nach unsäglichem Leid wiederaufgebaut. Ohne sie ist unsere Gegenwart nicht möglich geworden, ohne sie darf es aber auch keine Zukunft geben. Dazu kann jeder durch seine Unterschrift beitragen

Der Autor ist katholischer Priester und geistlicher Begleiter der Gemeinschaft Sant'Egidio in Würzburg. Er arbeitet unter anderem als Religionslehrer und Schulseelsorger

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