Gastkommentar :

Schweigen schmerzt am meisten. Von Berthold Pelster

Keine Nachrichten sind gute Nachrichten? Die Meldungen über den sogenannten „Islamischen Staat“ sind weniger geworden, laut Angaben der irakischen Regierung ist das Land vollständig vom IS befreit. Tatsächlich konnten die ersten vertriebenen Christen in ihre Heimatorte in der Ninive-Ebene zurückkehren. Doch die islamistische Gefahr ist noch nicht gebannt. Es stellt sich die Frage, wohin die IS-Kämpfer verschwunden sind. Einige sind in der lokalen Bevölkerung untergetaucht. Viele ausländische IS-Kämpfer sind in ihre Heimat zurückgegangen. Welche Gefahr von ihnen ausgeht, zeigt das Beispiel eines Ehepaars aus Indonesien, das in Syrien für den IS gekämpft hat. In die Heimat zurückgekehrt, hat es dort am 14. Mai in der Stadt Surabaya zusammen mit seinen vier Kindern Selbstmordanschläge auf drei christliche Kirchen verübt. Diese Familie hat sich selbst komplett ausgelöscht, insgesamt starben 13 Menschen. Auch in Ägypten ist der IS vermehrt aktiv. Bei Anschlägen auf koptische Christen wurden in der jüngeren Vergangenheit 118 Christen getötet. Entwarnung gibt es deshalb nicht. Christen und andere religiöse Gemeinschaften leiden weiter unter Intoleranz, Fanatismus und Gewalt. Die Neuauflage der Dokumentation „Christen in großer Bedrängnis“ von „Kirche in Not“ schildert ihr Schicksal. Der Einsatz für den weltweiten Schutz der Religionsfreiheit muss weitergehen. „Unsere verfolgten Schwestern und Brüder sind die Elite der Kirche. Mit ihnen solidarisch zu sein, ist eine Ehrenpflicht.“ Diese Worte von Pater Werenfried van Straaten haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Freilich: Ein Christentum ohne Diskriminierungen und Verfolgungen wird es nicht geben, das hat uns Jesus Christus vorausgesagt. Für die Verfolgten aber ist es der schlimmste Schmerz, dass Öffentlichkeit und Politik allzu oft zu diesem Thema schweigen.

Der Autor ist Experte für Fragen der Religionsfreiheit im deutschen Zweig der päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ und Autor des Buches „Christen in großer Bedrängnis“, das jetzt zum fünften Mal veröffentlicht wurde.

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