Würzburg

Für die Leser, mit den Lesern

Klarheit im Letzten, Vielfalt und Debatte im Vorletzten: Was katholischer Journalismus heute und morgen leisten kann und muss. Gedanken zum Abschied.

Die Zukunft des katholischen Journalismus
Die faire Darstellung der Position und Beweggründe selbst weltanschaulicher Gegner sei unverzichtbar, meint der scheidende Tagespost-Chefredakteur Oliver Maksan. Dadurch unterscheide sich Journalismus vom Aktivismus. Foto: Lutz/Winkler

Liebe Leser, zum letzten Mal wende ich mich an dieser Stelle an Sie. Dass ich mich dabei selber zum Gegenstand mache, mögen Sie mir nachsehen. Ich höre auch gleich auf damit. Anlässlich meines Ausscheidens als Chefredakteur der „Tagespost“ ist es mir dennoch ein großes Anliegen, mich bei Ihnen persönlich zu bedanken. Ihre kritische Sympathie trägt uns als Redaktion und hat auch mich in den letzten fünf Jahren getragen. Viele Telefonate haben wir geführt und unzählige Briefe und Emails ausgetauscht. Nie werde ich die vielen schönen Begegnungen mit Ihnen vergessen.

Was der katholische Journalismus braucht

Vorbei sind zum Glück die Zeiten, als Zeitungsmacher glaubten, ohne Rücksicht auf die Interessen der Leser entscheiden oder auf den Austausch mit ihnen verzichten zu können. Mit Ihrer Hilfe und Rückmeldung konnte diese Zeitung in den vergangenen Jahren entschlossen ihren Weg in die Zukunft planen. Die Umstellung zur Wochenzeitung und die Etablierung einer täglich betreuten Online-Seite waren dabei entscheidende Wegmarken. Wenn katholischer Journalismus auch morgen Gehör finden will, muss er dabei vor allem mindestens vier Dinge beachten, meine ich.

Intelligente Lehramtstreue: Eine Redaktionssitzung der „Tagespost“ ist nicht die Vollversammlung der Glaubenskongregation. Das wissen wir. Wir glauben aber, dem Leser schuldig zu sein, zu garantieren, dass wo katholisch drauf steht, auch katholisch drin ist. Katholiken dürfen dankbar sein für die Klarheit im Glauben, die ihnen geschenkt ist. Das muss natürlich in großem Respekt vor der Vielfalt der Spiritualitäten und legitimer theologischer Bandbreite geschehen. Eine katholische Zeitung sollte keine Eindeutigkeit behaupten, wo es sie nicht gibt und nicht geben muss.

Im Letzten einig sein

Plattform für Debatten: Katholiken müssen sich bei aller legitimen Vielfalt im Letzten einig sein. Das Katholische ist nicht einfach Ansichtssache, sondern auffindbar und definiert. Die Kirche wächst in der Erkenntnis des Glaubens, sie erfindet ihn aber nicht. Im Vorletzten aber darf es dauerhaften Dissens geben. Fragen des Politischen sind in den meisten Fällen Abwägungsfragen. Migration, das Verhältnis zu Russland, der israelisch-palästinensische Konflikt, die Bewertung der Präsidentschaft des alten und des neuen amerikanischen Präsidenten: Ein Medium sollte kultivierten Debatten Raum geben. Damit wird es nicht gesichts- oder kompasslos, sondern dient der Meinungsbildung der Leser.

Authentische Zeitgenossenschaft: Katholische Journalisten sollen neugierig sein. Dunkle Schatten, die sich auf die Gesellschaft legen, sollen sie nicht übersehen. Sie müssen sich aber die Offenheit für all das Gute erhalten, das auch heute wächst. Spaziergänge in Potemkinschen Dörfern und katholischer Rückzug ins Ghetto sind keine Option. Eine katholische Zeitung muss Augenöffner für das Schlechte, aber auch das Gute in der Welt sein.
Fairness Andersdenkenden gegenüber: Die faire Darstellung der Position und Beweggründe selbst weltanschaulicher Gegner ist unverzichtbar. Dadurch unterscheidet sich Journalismus vom Aktivismus. Faktentreue, Wille zum Verstehen und das Bemühen um Objektivität sind der Treibstoff, mit dem katholischer Journalismus auch in Zukunft fährt.

Liebe Leser, in diesem Sinne grüße ich Sie zum letzten Mal! Bleiben Sie der „Tagespost“ gewogen, die auch in Zukunft eine Zeitung für Sie und mit Ihnen sein will.

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