Paris

Frankreich: Zum Christentum konvertierte Muslime massiv verfolgt

Laut einer neuen Untersuchung des European Center for Law and Justice (ECLJ) leben in Frankreich zwischen 4.000 und 30.000 Ex-Muslime, die sich zum Christentum bekehrt haben. Viele von ihnen werden verfolgt. Die französische Zeitschrift „L’Incorrect“ wirft einen ersten Blick in den am 30. März erschienenen Bericht.
Frankreich - Kreuz auf einem Friedhof
Foto: Xosà Bouzas via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die meisten dieser Christen, die in Frankreich den Islam verlassen haben, "führen ein Doppelleben und praktizieren ihre Religion im Geheimen um den Preis eines sicheren und unvermeidbaren gesellschaftlichen Todes".

Die französische Zeitschrift L‘Incorrect gibt erste Einblicke in eine am 30. März veröffentlichte Untersuchung des European Center for Law and Justice (ECLJ). Die internationale Organisation zur Förderung und zum Schutz der Menschenrechte in Europa und weltweit hat in Frankreich lebende Konvertiten aus dem Islam zum Christentum zu ihrer Lebenssituation befragt. Diese Ex-Muslime seien nicht nur verbalen Angriffen ausgesetzt, sondern müssten auch um Leib und Leben bangen. Dieses Phänomen, so L’Incorrect, sei seit einigen Jahren traurigerweise zunehmend zu beobachten, und dies habe seinen Grund: „Der Islamismus, der in den Stadtvierteln stark ansteigt, verstärkt noch die unbestreitbare Radikalisierung der Banlieues. Frankreich, das wunderbare Land der Freiheiten, bestärkt kaum die ehemaligen Muslime, die hier ihren neuen Glauben leben und täglich ein Doppelleben führen müssen, bei dem sie ihren Glauben verbergen“, damit sie nicht ebenfalls zu Opfern von Verfolgungen werden.

Ein Doppelleben

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Die meisten dieser Christen, die den Islam verlassen haben, „führen ein Doppelleben und praktizieren ihre Religion im Geheimen um den Preis eines sicheren und unvermeidbaren gesellschaftlichen Todes“. Für die meisten sei ihre Anwesenheit in einer Kirche nicht denkbar: „Trotz ihres Glaubens können sie es nicht riskieren, die Schwelle einer Kirche zu überschreiten“. Wie zur Zeit der Christenverfolgungen in Rom „müssen die Konvertiten Bibeln, Kreuze und alles andere verbergen, was sie in den Augen der muslimischen Gemeinschaft verraten könnte“.

Manche von ihnen seien verprügelt worden, einfach nur wegen des Besitzes eines religiösen Gegenstandes oder weil sie zu nahe an einer Kirche gesehen wurden: „Oft spielt sich die Taufe – die normalerweise ein Festtag für einen Christen ist – hinter verschlossenen Türen ab, manchmal auch Kilometer von ihrer Wohnung entfernt, anwesend sind dann einzig der Täufling und der Taufende“. Den christlichen Glauben könnten sie selten praktizieren, „doch umgekehrt fasten manche Konvertiten, deren Eltern nicht informiert sind, aus Angst vor Entdeckung weiterhin während des Ramadans. Ein Täuschungsmanöver, das vor dem Ehemann, den Eltern, den Freunden und sogar in den Kantinen betrieben werden muss, um nicht in Verdacht zu geraten“.

Man wohne „einer echten Hexenjagd im Umfeld des islamischen Kommunitarismus bei“, stellt L’Incorrect fest. Die „permanente Treibjagd“ finde nicht nur in den Stadtvierteln statt, sondern trage sich auch virtuell in den sozialen Netzwerken – besonders bei TikTok und Discord – zu. Sie verstärke sich immer weiter, je nachdem wie sich der radikale Islam entwickelt. So könne man auf Webseiten, die für junge Leute bestimmt sind, lesen: „Wenn ich einen auf der Straße treffe, schlage ich ihm den Kopf ab“. 

Untertauchen nach Konversion

Konvertiten in Frankreich seien zuweilen gezwungen, zu emigrieren, um ihren Glauben in Würde zu leben und ohne täglich den Tod zu fürchten: „Sofortiger Umzug, Wechsel der Telefonnummer, der Arbeit und der Identität sind das Schicksal derjenigen, die unter dem sozialen Druck zu sehr leiden“.

Doch an wen können sich diese neuen Christen wenden?, fragt L‘Incorrect. Leider gebe es nur wenige Strukturen, die über geeignete Möglichkeiten verfügten, „um diese Menschen – sehr häufig junge Mädchen ohne Wohnung und Unterstützung – zu begleiten. Sogar innerhalb der Kirche gibt es nur wenige Stellungnahmen – berechtigterweise aus Angst vor Repressalien für den Konvertiten und seine Familie, aber auch aus Angst vor dem, was die Pfarrei erleiden könnte, wie auch im Namen des ‚interreligiösen Dialoges‘“. Es gebe also keine wirkliche Begleitung und „allzu oft werden diese Ex-Muslime, die von ihren Pfarrern schlecht betreut werden, bisweilen von diesen dazu gedrängt, auf den christlichen Glauben wegen der Gefahren zu verzichten, denen sie sich aussetzen“. „Selbst die katholischen Medien sprechen nicht darüber“, wie Moh-Christophe Bilek, Gründer der Vereinigung Notre Dame de Kabylie, erläutert. Doch seitens staatlicher Stellen sei das Tabu noch eklatanter, betont L‘Incorrect. So gebe es weder Studien noch Statistiken über „diese Realität, die doch so erschreckend in einem Land der Menschenrechte ist, das die Religionsfreiheit rühmt“. DT/ks

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