Paris

Frankreich: Sicherheit ist Thema Nummer 1

Nach den jüngsten islamistischen Anschlägen ist die Stimmung im Land mehr als gereizt. Das Unbehagen greift tiefer aus in der Seele der Gallier. Manche konstatieren bitter: Gott wohnt nicht mehr hier. Ein Kommentar.

Gedenken an mit Messer getötete Polizeimitarbeiterin
Polizisten stehen vor der Marseiller Polizeiwache, um einer französischen Polizistin zu gedenken. Sie wurde bei einem Messerangriff vor ihrer Polizeiwache in einem Vorort von Paris getötet. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tat islamistisch motiviert war. Foto: Daniel Cole (AP)

Die französische Nationalhymne Marseillaise wird wieder lauter gesungen, hier und da auch mit einem Anflug von Wut geschmettert. Die Stimmung beim unserem Nachbarn Frankreich ist mehr als gereizt. Es geht auch nicht nur um die Einschränkung der persönlichen Freiheiten wegen des nach wie vor grassierenden Virus. Das Unbehagen greift tiefer aus in der Seele der Gallier. Man hat genug von mordenden Islamisten und beschwichtigenden Politikern. Allah möge groß sein, aber in seinem Reich, nicht in Frankreich.

Vorbote einer Wechselstimmung

Viele Franzosen, nicht zuletzt die Katholiken, sehnen sich nach der Zeit, als ein Buchtitel wie „Gott in Frankreich“ die Ehre der Nation schmückte. Aber heute konstatieren manche bitter: Gott wohnt nicht mehr hier.

Das liegt nicht nur an den Islamisten. Auch die Laizisten in der politischen Klasse, die seit zehn Jahren das Land mehr ruinieren als regieren, haben zu diesem allgemeinen Unbehagen beigetragen. Es ist der Vorbote einer Wechselstimmung. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und sein Innenminister Gérald Darmanin spüren diese Gefahr. Aber es reicht nicht, acht von siebzig Moscheen mit radikalen Hasspredigern zu schließen.

Das Macron‘sche Vorgehen verfängt nicht mehr in Zeiten, in denen Polizei, Mandatsträger und Militärs immer öfter und vor allem von islamischen Banden drangsaliert und angegriffen werden. Und auch mit langen Interviews und tiefen Stirnfalten wird Macron die Stimmung nicht mehr drehen. Man will Taten sehen. Das Thema Sicherheit ist wieder an die Spitze gerückt. Es wird die künftigen Wahlen bestimmen. Der Appell der französischen Generäle wirkt wie ein Stimmungs-Turbo. Die Corona-Krise geht mit der Impfkampagne zu Ende, das ist absehbar. Der Islamismus hat diese Perspektive nicht. Der erste Test steht bereits an: die Regionalwahlen.

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