Frank Stronach tritt nun doch an

Der austro-kanadische Milliardär wagt sich in Österreichs politische Arena. Von Stephan Baier
Foto: dpa | Frank Stronach, erfolgreicher Unternehmer und Milliardär, mischt jetzt Österreichs Parteienlandschaft auf.
Foto: dpa | Frank Stronach, erfolgreicher Unternehmer und Milliardär, mischt jetzt Österreichs Parteienlandschaft auf.

Vom Tellerwäscher zum Millionär. Mehr noch: Vom kleinen Werkzeugmacher aus dem steirischen Kleinsemmering zum kanadischen Großindustriellen und global agierenden Milliardär. Mit dieser Karriere könnte Frank Stronach, der vor acht Jahrzehnten als Franz Strohsack in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde, mehr als zufrieden sein. Doch zum 80. Geburtstag macht sich der rastlose Unternehmer selbst ein Geschenk: Stronach gründet in Österreich eine neue Partei, als deren Spitzenkandidat er in den nächsten Nationalratswahlkampf ziehen will. Ein Parteiprogramm und die Schlüsselfiguren will er Ende September präsentieren.

Lange schon machte Stronach keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit mit der politischen Klasse seines Heimatlandes. Er bot die Finanzierung einer neuen Partei an, traf sich mehrfach mit dem Chef der FPÖ-Abspaltung „Bündnis Zukunft Österreich“ (BZÖ), Josef Bucher. Schließlich präsentierte er in einer ORF-Livesendung den früheren Magna-Manager und heutigen Top-Manager im Reich des russischen Oligarchen Oleg Deripaska, Siegfried Wolf, als seinen Wunsch-Bundeskanzler.

Jetzt aber tritt Stronach selbst auf die Bühne, will 2013 mit 81 Jahren ins Parlament einziehen. 1954 hatte der gelernte Werkzeugmacher Österreich verlassen, um in Kanada sein Glück zu suchen. Er schlug sich als Tellerwäscher durch, gründete eine Garagenfirma und stieg letztlich mit „Magna International“ zum führenden Auto-Zulieferer Amerikas auf. Mitte der achtziger Jahre kehrte er nach Österreich zurück, wo nicht alle seine Projekte so erfolgreich liefen. Mehr als hunderttausend Mitarbeiter zählt Magna heute weltweit, mehr als zehntausend in Österreich. Zwiespältiger ist die Bilanz in anderen Bereichen: Als Betreiber einer Pferderennbahn, einer Freizeitanlage oder eines TV-Wettkanals, als Fußball-Sponsor und -Manager hatte Frank Stronach nicht immer eine glückliche Hand.

Seine künftige Partei folge der Grundphilosophie „Wahrheit, Transparenz und Fairness“, kündigte Stronach am Sonntag an. Inhaltlich geht es um Abbau und Effizienzsteigerung der Verwaltung, um einen niedrigeren und transparenteren Steuersatz, um die Beseitigungen von „Grauzonen, Schlupflöchern und Privilegien“ im Steuerrecht. Stronach sympathisiert mit der Flat Tax, will die derzeit 22 Sozialversicherungen zusammenlegen und Österreich aus der Euro-Zone herausführen. Frank Stronach – dessen Namen englisch ausgesprochen wird – klingt nach steirischem Dialekt mit amerikanischer Färbung. Und so wirken auch seine Thesen: Der „Steirerbua“, der in Übersee einen kometenhaften Aufstieg erlebte, versucht das, was sich im amerikanischen Management bewährt, der österreichischen Provinz zu vermitteln. Angesichts seiner fast unerschöpflichen Mittel und der enormen Unzufriedenheit vieler Bürger mit der korruptionsgeschüttelten politischen Klasse ist ein politischer Erfolg gar nicht auszuschließen.

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