Forscher schaffen Mensch-Tier-Embryos

Britische Humangenetiker begehen ethischen Tabubruch – Kardinal O'Brien: Monströser Angriff auf die Menschenrechte

London (DT/KNA) Britische Wissenschaftler haben erstmals Embryos aus menschlichem und tierischem Zellmaterial geschaffen. Die Forscher am Institut für Humangenetik der Universität Newcastle hätten menschliches Erbgut aus einer Hautzelle in die ausgehöhlte Eizelle einer Kuh eingefügt, berichtete die britische Presse am Mittwoch. Die Embryos aus 99,9 Prozent menschlichem und 0,1 Prozent tierischem Erbgut hätten drei Tage überlebt.

Die Wissenschaftler wollen durch solche Mensch-Tier-Embryos embryonale Stammzellen gewinnen. Durch die Verwendung tierischer Eizellen wollen sie dabei den Mangel an menschlichen weiblichen Eizellen ausgleichen. Institutsleiter John Burn versicherte, die Embryos seien nicht zur menschlichen Fortpflanzung gedacht. „Das wird nie mehr als eine Anhäufung von Zellen sein“, betonte er im Gespräch mit der BBC. Es gehe darum, „Krankheitsprozesse besser zu verstehen“.

Die Regierung von Premierminister Gordon Brown arbeitet derzeit an einer Reform des Embryonengesetzes, das auch die Schaffung von Mensch-Tier-Embryos zu Forschungszwecken regeln soll. Lyle Armstrong, der das Experiment leitete, hatte erst im Januar eine Sondererlaubnis für die Herstellung sogenannter Chimären von der britischen Embryologie-Behörde HFEA erhalten.

Der deutsche CDU-Bioethik-Experte Hubert Hüppe verurteilte die Herstellung von Mensch-Tier-Embryonen und sprach von einem „Frankenstein-Experiment“. Das neue Klon-Experiment überschreite die Gattungs-Grenzen zwischen Mensch und Tier, erklärte er in Berlin. Zudem handele es sich um eigens zu Forschungszwecken hergestellte Embryonen, die nach dem britischen Gesetz spätestens nach 14 Tagen getötet werden müssten. Laut Hüppe, der Vorsitzender der Enquete-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“ war, haben die Versuche auch Auswirkungen auf die Stammzelldebatte in Deutschland. „Wer garantiert etwa, dass nicht früher oder später die Forderung nach Import von Stammzellen aus solchen geklonten Mensch-Tier-Embryonen erhoben wird?“, fragte er.

Die katholische Kirche lehnte die embryonale Stammzellforschung und die Herstellung von Chimären wiederholt scharf ab. In seiner Osterpredigt sprach der schottische Kardinal Keith O'Brien von einem „monströsen Angriff auf die Menschenrechte, die menschliche Würde und das menschliche Leben“. Der Regierungsentwurf für das Gesetz zur Forschung mit sogenannten Chimären sei abscheulich, tödlich und grotesk, so O'Brien. Es sei „schwer, sich ein Gesetz vorzustellen, das die Heiligkeit des Lebens umfassender angreift als dieses“.

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