Feuchtgebiete

Weshalb Speichelproben auch künftig nur bei der Verbrecherjagd Verwendung finden sollen

Von Stefan Rehder

„Was heute als Science Fiction beginnt, wird man morgen vielleicht als Reportage zu Ende schreiben müssen“, prophezeite der amerikanische Schriftsteller Norman Mailer. Wie richtig er lag, beweist dieser Tage eine Schweizer Firma. Für sein meisterhaftes Science-Fiction-Drama „Gattaca“ ließ der neuseeländische Regisseur Andrew Niccols Irene (Uma Thurman) dem von ihr auserwählten Vincent (Ethan Hwake) eines ihrer Kopfhaare zur Genanalyse reichen. Dabei haucht sie: „Falls Sie dann noch interessiert sind, sagen Sie es mir.“ So stellte sich Niccols 1997 den Beginn von Romanzen in einer gentechnisierten Zukunft vor. Einer Zukunft, die Niccols so weit entfernt wähnte, dass er in „Gattaca“ zum ersten bemannten Raumflug zum Saturn ansetzen ließ.

Heute, da noch kein Mensch auch nur einen Fuß auf den Mars gesetzt hat, macht das Zürcher Unternehmen GenPartner mit dieser Vision ernst. Anhand von Speichelproben analysiert die Firma den Haupthistokompatibilitäts-Komplex (MHC). Diese Gene stellen bestimmte Oberflächenproteine her, die eine wichtige Rolle bei der körpereigenen Abwehr spielen und die Partnerwahl beeinflussen sollen. Unterschiedliche MHC-Typen passen angeblich gut, ähnliche schlecht zusammen. Via Internet sollen die Kunden nach dem passenden MHC-Partner suchen können. Dabei beruft sich die Firma auf eine Studie, bei der Frauen den Geruch von T-Shirts beurteilen, die von Männern, die weder Dusche noch Deo benutzten, 72 Stunden getragen wurden. Das klingt bizarr und ist es auch. Dabei hätten die Schweizer Zeit gehabt, um von Thurman und Hwake zu lernen. Zwar heiratete das Filmpaar, nachdem Gattaca in die Kinos kam, tatsächlich. Doch wurde ihre Ehe sechs Jahre und zwei Kinder später wieder geschieden. Sich „gut riechen“ zu können, ist offenbar kein Garant für eine glückliche und stabile Beziehung.

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