Würzburg

Ex-BR-Chefredakteur: Antisemitismus nimmt massiv zu

Deutschland erleben in den letzten Jahren eine anschwellende Welle von Judenhass, meint der ehemalige Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Sigmund Gottlieb. Im Gespräch mit der Tagespost nennt er die Gründe dafür.
Zunahme von Antisemitismus
Foto: dpa | Als Beispiel für massiven Antisemitismus nennt Gottlieb den Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Der ehemalige Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, Sigmund Gottlieb, beklagt eine Zunahme des Antisemitismus in Deutschland. „Wir erleben in den letzten Jahren eine anschwellende Welle von Judenhass“, meint Gottlieb im Gespräch mit der Tagespost. Vor allem Gespräche mit jüdischen Freunden hätten ihn sehr bewegt. „Viele von ihnen wollen sich öffentlich gar nicht mehr dazu äußern. Sie haben Angst.“

Sie überlegen, Deutschland zu verlassen

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Einige würden auch darüber nachdenken, Deutschland zu verlassen und nach Israel zu gehen, so Gottlieb weiter, der eine Honorarprofessor für Journalismus an der FH Amberg-Weiden innehat. Andere überlegten, ihre Kinder auf Schulen ins Ausland zu schicken, weil sie hier als Juden gemobbt würden. „Dass so etwas in unserem Land mitten in Europa möglich ist, treibt mich um.“

Als Beispiel für massiven Antisemitismus nennt Gottlieb den Anschlag auf die Synagoge in Halle. Nach solchen Ereignissen werde viel Richtiges gesagt. Solche Reden würden staatliches Handeln jedoch nicht ersetzen. „Ich sage heute, was wir in Halle erlebt haben, das war Staatsversagen. Da hat die Polizei nicht ausreichend reagiert.“ Zusätzlich habe es in den letzten Jahren „eine dramatische Entwicklung im Bereich des Rechtsextremismus“ gegeben, die „völlig unter dem Radar der Polizei“ geblieben sei.

Das Internet in den Blick nehmen

Um gegen Judenhass vorzugehen, hält Gottlieb es für notwendig, auch das Internet viel stärker in den Blick zu nehmen. „Dort werden Antisemitismus und Judenhass in einer Art ausgelebt, wie es in der jüngeren Geschichte beispiellos ist.“ Neben einer „aggressiven Debattenkultur“ könne man dort ganz leicht antisemitische Inhalte finden. „Hier müssen die Sicherheitsorgane massiv nachrüsten und auf europäischer Ebene zusammenarbeiten.“ Jugendliche seien besonders gefährdet, betont der 69-Jährige. „Ich habe den Eindruck, dass viele aus dieser Generation keine Ahnung mehr von der Geschichte haben, sie orientieren sich allein an dem, was sie im Netz lesen.“  DT/mlu

Sigmund Gottlieb sieht sowohl den Islamismus wie auch den Rechtsradikalismus als Ursachen für Judenhass. Lesen Sie das ausführliche Interview in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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