EU kritisiert Christenverfolgung

EU-Kommission setzt auf Appelle, Aufklärung und Ausbildung – Europaabgeordnete rügen Nordkorea und Saudis. Von Stephan Baier

Straßburg (DT) „Jeder soll seine Religion in Freiheit ausüben dürfen.“ Das betonte EU-Kommissar Karmenu Vella, der am Montagabend in Vertretung der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini im Europäischen Parlament in Straßburg zur weltweiten Verfolgung von Christen Stellung nahm. „Wir wissen, dass die Religionsfreiheit in vielen Teilen der Welt unter Druck geraten ist“, so Vella. Von Asien bis in die Sahara, vor allem aber im Nahen Osten würden Christen verfolgt. Dabei sei der Nahe Osten die Geburtsstätte des Christentums: „Das dürfen wir nicht vergessen.“

Weiter sagte der EU-Kommissar: „Wenn der Nahe Osten seine Diversität verliert, wird er seinen größten Reichtum und seine Vitalität verlieren.“ Die Verfolgung beschränke sich nicht auf eine Minderheit: Neben Christen würden Schia-Minderheiten und Jesiden diskriminiert und unterdrückt. Notwendig sei eine Strategie zum Schutz dieser Minderheiten. Gewalt, die von Staaten wie nicht-staatlichen Akteuren ausgehe, geschehe aus ideologischen Gründen, häufig gehe es aber mehr um Macht als um Religion. Vella erinnerte an die Erklärungen der EU und ihre Initiativen für Diversität und Toleranz. So finanziere die EU 40 Projekte, um die Religionsfreiheit weltweit zu fördern. Aufklärung und Ausbildung seien hierbei der wichtigste Ansatz, um Radikalisierung zu vermeiden.

Viele Kinder könnten sich nur noch an Krieg erinnert. Sie müsse man aufklären über die Vielfalt und Geschichte ihres Landes. Die Zukunftsaussichten der Christen etwa in Syrien hängten davon ab, „was wir für die Zukunft des Landes tun, damit alle, auch die Christen, sich in Syrien zuhause fühlen können“, so Kommissar Vella.

Für die christdemokratische EVP sagte der rumänische Abgeordnete Cristian Dan Preda, es gebe weltweit 215 Millionen Christen, die ihre Rechte nicht in Anspruch nehmen können. In Nordkorea müssten 300 000 Christen im Verborgenen leben. Wer eine Bibel besitzt, werde in ein Arbeitslager eingewiesen. China jedoch sende christliche Flüchtlinge einfach nach Nordkorea zurück. Dan Preda erwähnte auch die Christenverfolgung in Somalia und im Sudan. „Der Schutz der Religionsfreiheit müsste im Mittelpunkt unserer Außenbeziehungen stehen – so ist es aber nicht“, kritisierte der Abgeordnete. Der österreichische Sozialdemokrat Josef Weidenholzer forderte, die EU müsse alles tun, damit die Opfer des „Islamischen Staates“ in ihre angestammten Gebiete zurückkehren können und die Verbrecher verurteilt werden. In Saudi-Arabien gebe es „noch immer keine einzige Kirche und philippinische Hausgehilfinnen werden bestraft, wenn bei ihnen eine Bibel gefunden wird“.

Die kroatische Konservative Ruza Tomasic sagte, die EU habe „weder die Kapazität noch den ehrlichen Wunsch, beharrlich an Lösungen zu arbeiten“, sonst hätte sich die Lage verbessert. „Wie sollen uns die Angehörigen anderer Kulturen glauben, wenn sie sehen, dass wir jenen den Rücken kehren, die mit uns die gleichen christlichen Werte teilen?“, so Tomasic. Im Namen der Liberalen wies Teresa Giménez Barbat darauf hin, dass die Christenverfolgung global ist, „und auch noch schlimmer wird“.

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18.09.2021, 13  Uhr
Jean-Marie Dumont
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