EU: 1, 2 Millionen Abtreibungen pro Jahr

Europaweite Abtreibungsstudie vorgestellt – 20 Milionen vorgeburtliche Kindstötungen binnen 15 Jahren – Größter Zuwachs in Spanien

Brüssel (reh) Abtreibung ist die Todesursache Nummer 1 in Europa. Jeden Tag werden allein auf dem Territorium der Europäischen Union rund 3 300 Kinder noch im Mutterleib getötet. Statistisch betrachtet wird in den 27 Mitgliedstaaten alle 26 Sekunden eine Abtreibung durchgeführt. Das entspricht 138 vorgeburtlichen Kindstötungen pro Stunde. Dies geht aus einer Studie des spanischen „Institute for Family Policies“ (IPF) hervor, die jetzt in Brüssel vorgestellt wurde. Laut der vierzig Seiten umfassenden Studie, die den Titel „Abtreibung in Europa und Spanien 2010“ trägt, verloren im Jahr 2008 in den 27 EU-Mitgliedstaaten 1 207 646 Kinder ihr Leben durch Abtreibungen. Das sind 42 Prozent aller in Europa durchgeführten vorgeburtlichen Kindstötungen. Rechnet man die Nicht-EU-Staaten hinzu, wurden 2008 auf dem europäischen Kontinent – einschließlich Russland – rund 2,9 Millionen ungeborene Kinder Opfer einer Abtreibung. Das entspricht der Gesamtbevölkerung von Estland (1,3 Mio.), Zypern (0,8 Mio.), Luxemburg (0,5 Mio.) und Malta (0,4 Mio.).

In den 15 Staaten, die vor den Ost-Erweiterungen die EU bildeten, stieg die Zahl der Abtreibungen, die in den Jahren 1998-2008 durchgeführt wurden, durchschnittlich jedes Jahr um mehr als 70 000 Fälle oder um 8,3 Prozent. Den Löwenanteil verzeichnete hierbei Spanien. Auf der iberischen Halbinsel, wo die Sozialisten unter Ministerpräsident Zapatero gerade eine der liberalsten Abtreibungsgesetzgebung der Welt durchgesetzt haben (DT vom 27.Februar), stieg die Zahl der Abtreibungen der Studie zufolge in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 62 000 Fälle pro Jahr. Demnach entfielen 87 Prozent des Gesamtanstiegs der Abtreibungen in den alten EU-Ländern auf Spanien. In den vergangenen 15 Jahren wurden auf dem Territorium der 27 EU-Mitgliedstaaten laut der Studie insgesamt mehr als 20 Millionen Kinder im Mutterleib getötet. Die allermeisten in Rumänien (4,07 Mio.), gefolgt von Frankreich (3,08), Großbritannien (2,98) und Italien (1,99). Deutschland liegt mit 1,85 Mio. Abtreibungen auf Rang 5, noch vor Spanien, das mit 1,10 Mio. Abtreibungen Rang 6 belegt. Laut der Studie sind die vorgeburtlichen Kindstötungen einer der Hauptgründe für den Rückgang und die Überalterung der Bevölkerung in der Europäischen Union. In den vergangenen 15 Jahren fiel die Zahl der Bürger unter 14 Jahren in den 27 EU-Mitgliedsstaaten demnach von 89 Millionen im Jahr 1993 um 10,6 Millionen auf 78,4 Millionen im Jahr 2008. Im selben Zeitraum wurden in den 27 EU-Staaten mehr als 20 Millionen Kinder im Mutterleib getötet. Allein 2008 betrug der Anteil der Schwangerschaften (6,5 Mio.), die durch eine Abtreibung beendet wurden (1,2 Mio.) 18,3 Prozent. Der Präsident der italienischen Lebensrechtsbewegung Carlo Casini sprach von einer „Wertekrise“ des „Alten Kontinnents“. „Solange wir keinen Mentalitätswechsel herbeiführen, kann diese europäische Tragödie nicht überwunden werden“. Die Vorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle Claudia Kaminski zeigte sich „schockiert“ von den Ergebnissen der IPF-Studie. Danach würden in der EU „jeden Tag rund 100 Schulklassen im Mutterleib getötet“. Die Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass das Thema auf die Agenda der europäischen Staats- und Regierungschefs gelange. Kaminski: „Es kann nicht sein, dass die Mitgliedstaaten der EU die Folgen des demografischen Wandels beklagen, aber tatenlos zusehen, wie in ihrem Verantwortungsbereich massenhaft Kinder durch Abtreibungen im Mutterleib getötet werden.“

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