Bonn

Es läuft auf Laschet zu

Trotz der jüngsten Wahlniederlagen der CDU bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sieht Politik-Professor Volker Kronenberg Armin Laschet auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur.
Armin Laschet auf dem Weg zur Kanzlerkandidatur
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Eine eigene Choreographie: Armin Laschet zeigt aus Sicht von Volker Kronenberg Nervenstärke.
Volker Kronenberg
| Volker Kronenberg, Jahrgang 1971, lehrt seit 2014 als Professor am Institut für Politische Wissenschaften und Soziologie der Universität Bonn. Regelmäßig kommentiert er in den Medien das politische Zeitgeschehen.

Herr Professor Kronenberg, die CDU hat in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg verloren. Aber die erneute Niederlage in Stuttgart erschüttert die Union besonders. Schließlich war das Ländle einmal das  Stammland der CDU. Schwächt das deren Start in den Bundestagswahlkampf?

"Das war eine Kretschmann-Wahl.
Sie hat nicht zu einem Erdbeben in Berlin geführt.
Auch wenn das mediale Tremolo anders klingt"

Das Ergebnis kam nicht überraschend. Denn die Rahmenbedingungen für Winfried Kretschmann waren gut. Als Person hat er eine milieu- und parteiübergreifende Wirkung. Als pragmatischer Landesvater ist er auch für Unionswähler anschlussfähig. Kretschmann präsentierte sich als die männliche Merkel – das ging bis hin zum gleichen Wahlkampfslogan „Sie kennen mich“. Dazu kommt die Corona-Ausnahme-Situation, in der sich die Wähler eher hinter den Regierenden versammeln. Es gab keine Wechselstimmung. Und der aggressive Endspurt der CDU in den letzten Wahlkampftagen hat eher den Grünen genutzt. Man muss aber sagen: Das war eine Kretschmann-Wahl. Sie hat nicht zu einem Erdbeben in Berlin geführt. Auch wenn das mediale Tremolo anders klingt. Kretschmanns Wahlsieg bedeutet nicht die Implosion der Union.

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Was bedeutet das für das Wettrennen zwischen Armin Laschet und Markus Söder um die Kanzlerkandidatur? Laschet hat sich ja am Wahlabend selbst gar nicht gezeigt, sondern ist erst am Montag an die Öffentlichkeit getreten.  Kann sich das ein Parteivorsitzender leisten? Ist das nicht ein Zeichen von Führungsschwäche?

Ich finde, dass das nicht gegen Armin Laschet spricht. Im Gegenteil: Er macht damit deutlich, dass er sich nicht treiben lässt, sondern seinen eigenen Zeitplan hat. Laschet bringt so zum Ausdruck: Ich handele nach einer eigenen Choreographie. Er zeigt Nervenstärke – und das ist mit Abstand betrachtet das Klügste, was er machen kann.

Sie glauben also, dass Laschet der Kandidat wird?

"Es gibt also einige gute Gründe dafür,
dass tatsächlich Laschet als Kanzlerkandidat ins Rennen geht"

Glaubt Armin Laschet, dass seine Kandidatur ein Selbstläufer wird? Nein, natürlich weiß er, dass das nicht so ist. Aber im Moment läuft alles auf einen Kandidaten hinaus, der sowohl als Ministerpräsident Regierungserfahrung mitbringt und gleichzeitig ein Brückenbauer ist, der an verschiedene Milieus und Koalitionspartner anschlussfähig ist. Laschet regiert nahezu geräuschlos NRW – und das mit nur einer Stimme Mehrheit. Das ist ein Beleg für seine Führungsstärke. Er kann also immer sagen: „Schaut nach NRW. Die schwarz-gelbe Koalition funktioniert.“ Mit ihm ist aber auch Schwarz-Grün denkbar. In den 90ern gehörte er ja schon zu der legendären „Pizza Connection“, in der sich grüne und schwarze Bundestagsabgeordnete getroffen haben. Laschet bringt Sensibilität für Umweltthemen mit. Und auch sein ehemaliges Amt als Integrationsminister in der Regierung Rüttgers verschafft ihm bei den Grünen Pluspunkte. Es gibt also einige gute Gründe dafür, dass tatsächlich Laschet als Kanzlerkandidat ins Rennen geht.

Und Markus Söder? Der ist ja wohl auch ein erfahrener Ministerpräsident? Und bei den Umfragen überflügelt er Laschet immer noch um Längen.

Ich bin davon überzeugt, dass Söder in Bayern bleibt. Er wird sich darauf konzentrieren, die CSU wieder zur alten Stärke zu führen. Und es gilt immer noch: Ein CSU-Kanzlerkandidat ist alles andere als ein Selbstläufer. Auch wenn jetzt die Werte für ihn gut aussehen und Söder von den Medien gut behandelt wird. Wenn Corona vorbei ist. kann das ganz schnell wieder anders sein. Dann könnten schon bald die alten Sirenenklänge zu hören sein und sich das Image von Markus Söder ändern. Ich erinnere nur an die von Horst Seehofer mit Blick auf seinen Nachfolger erwähnten „Schmutzeleien“, zu denen dieser neige. Das könnten die Medien dann wieder zum Thema machen. Schließlich: Söder ist jünger als Laschet. Er hat noch mehr Zeit. Und muss es deswegen nicht auf diese Kandidatur anlegen.

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