EM-Glosse: Sehr extreme An- und Einsichten

Dass wir Deutschen in besonderer Weise den Extremen zuneigen, werden vermutlich nicht wenige Deutsche extrem bestreiten wollen. Wogegen ein extrem toleranter Zeitgenosse selbstverständlich nur extrem wenig einzuwenden hätte. Was sich aber nicht bestreiten lässt, ist, dass viele Fußballfans, die vor Beginn der EM keinen Cent auf „Jogis Jungs“ setzen wollten, „die Mannschaft“ nun – nach dem gewonnenen Viertelfinale gegen Angstgegner Italien – schon wie den sicheren Europameister feiern. Doch dafür müsste sich diese nicht nur im Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich durchsetzen, der Islands extrem wilde Kerle mit 5:2 zurück auf die Insel schickte. Im Finale würden auf Neuer & Co. mit Portugal oder Wales dann auch noch Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale warten. Oder um es extrem frei nach Andreas Möller zu formulieren: „Portugal oder Wales? Egal, Hauptsache Madrid.“ Die Ausnahme-Stürmer der Königlichen können im Extremfall ein Spiel ganz allein entscheiden. Zugegeben, das vermag an einem extrem guten Tag auch Thomas Müller. Nur war der bei dieser EM von einem solchen bislang extrem weit entfernt. Auch sonst plagt „die Mannschaft“ einige extreme Probleme. Mats Hummels kann gegen Frankreich aufgrund zwei extrem ungerechtfertigter gelber Karten nur zuschauen. Für Mario Gomez ist das Turnier schon ganz vorbei. Und ob die extrem talentierte medizinische Abteilung der Deutschen Schweinsteiger und Khedira rechtzeitig wieder fit bekommt, steht noch in den Sternen, also in extremer Ferne. Bleibt die Einsicht Jean-Paul Sartres, jenes extremen Existenzialisten, der einmal meinte: „Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ Recht hat er. Extrem sogar. Stefan Rehder

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