EM-Glosse: Einfach Fußball

Früher war Fußball einfach. Es war einfach Fußball. Elf gegen elf, das Runde muss ins Eckige. Heute berechnet eine millionenschwere Technik erst einmal, ob das Runde überhaupt im Eckigen ist. Früher hat man gesagt: „Guck mal, was für ein schöner Pass – über das halbe Feld!“. Heute wird dazu der „Packing-Faktor“ berechnet. Wenn man wenigstens „Beckenbauer-Faktor“ sagen würde. Früher hätte man gesagt: „Toll, die Kinder dürfen auch mitmachen!“ Heute läuft eine Eskorte mit, benannt nach einem schottischen Gastronomen.

Und dann diese ganzen individuellen Kameraeinstellungsmöglichkeiten im Internet. Da sitzt man nicht nur in der ersten Reihe, sondern auch über dem Stadion oder neben dem Trainer. Schließlich das Gerede vom „Second Screen“. Als ob die Spiele so langweilig geworden sind, dass man ... Nun, ja ... einige schon! Denn während früher einfach die Hälfte durchkam und die andere Hälfte nach der Vorrunde die Koffer packen musste, beginnt heute ab dem zweiten Spiel eine stochastische Analyse, für die man Abitur braucht. Wenn Portugal mit weniger als fünf Toren gegen Ungarn verliert und Island gleichzeitig gegen Österreich über ein Unentschieden mit zwei oder mehr Treffern nicht hinauskommt, dann, ja, dann hat der gemeine Fan längst resigniert und schaut Golf. Da ist wenigstens noch alles übersichtlich und geordnet: das Runde muss ins Runde. Alles klar, UEFA?! Josef Bordat

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