EM-Glosse: Das Runde drängt ins Eckige!

Morgen ist es endlich wieder soweit. Dann beginnt in Frankreich die Fußball-Europameisterschaft 2016. Vier Wochen lang werden, wenn auch keineswegs alle, so doch Millionen Menschen das Geschehen auf und neben dem grünen Rasen aufmerksam verfolgen. Viele von ihnen werden dann auch, von Leidenschaft gepackt, zumindest zeitweise zittern, jubeln und trauern. Grund genug für die „Tagespost“, die „Glosse“ an dieser Stelle kurzerhand einen ganzen Monat lange in eine „EM-Glosse“ umzufunktionieren. Die Frage, was es eine katholische Zeitung angeht, wenn 22 ausgewachsene Männer 90 Minuten lang einem Ball hinterherlaufen, ist selbstverständlich nicht nur erlaubt, sie drängt sich – da haben Sie, verehrte Damen, völlig recht – sogar geradezu auf. Und natürlich ließe sich einwenden, dass Fußball, wie Sepp Herberger wusste, „das Theater des kleinen Mannes“ ist. Aber gebraucht der liebe Gott nicht regelmäßig das Schwache und Kleine, um das Starke und Große zu beschämen? Darüber hinaus haben wir bei unseren Recherchen herausgefunden, dass es eine lange Tradition lehramtlicher Äußerungen zu diesem Phänomen gibt: So hielt etwa der heilige Johannes Paul II. fest: „Der Fußball muss sich von allem befreien, was Solidarität, Brüderlichkeit und gegenseitigen Respekt verhindert.“ Und Papst Benedikt XVI. schrieb: „Fußball ist das Heraustreten aus dem versklavten Ernst des Alltags in den freien Ernst dessen, was nicht sein muss und deshalb so schön ist.“ Auch Papst Franziskus hat schon festgestellt: „Ein Fußballstadion, beispielsweise, ist ein Ort, wo viele Menschen hingehen. Dort müssen wir präsent sein.“ Sie verstehen sicher, dass eine katholische Zeitung Ihnen unmöglich derart philosophisch, theologisch und pastoral Bedeutsames vorenthalten kann. Darum finden Sie an dieser Stelle vier Wochen lang ab jetzt eine EM-Glosse. Außerdem ist es nun einmal nicht zu ändern: Das Runde drängt mit Macht ins Eckige. Mögen daher die Spiele endlich beginnen! Stefan Rehder

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