Eiszeit auf den Straßen, Eiszeit in der Ökumene

Die Queen „is not amused“ – und sagt das Bankett für Papst Benedikt ab

Von Guido Horst

Da uns die Kältewelle mal so richtig zeigt, wie der Klimawandel und die langfristige Erwärmung der Erdatmosphäre also so ganz praktisch aussehen, lohnt es sich, noch einen anderen Mythos gleich mit zu erlegen. Es heißt immer, die Queen of England habe die beste Erziehung der Welt und sei durch gar nichts zu erschüttern. Nun ja, während Benedikt XVI. am vergangenen Montag die englischen Bischöfe zum Tee empfing und ihnen nochmals versicherte, wie er sich auf seinen Besuch in ihrer Heimat im kommenden September freue, wartete der „Daily Telegraph“ mit einer ganz anderen Nachricht auf. Elisabeth the second, so das Blatt, sei von der Entscheidung des Vatikans überrascht gewesen, für übertrittswillige Anglikaner katholische Personalordinariate zu schaffen. Shocking! Und die Zeitung enthüllte auch, dass ein ursprünglich vom Königshaus geplantes Bankett für den Papst während seines kommenden Staatsbesuchs abgesagt wurde.

O my god! Hätte sich die Queen doch ein bisschen besser um ihre eigene Kirche gekümmert! Und jetzt so ein fieser Racheakt. Da kann doch der Vatikan nichts dafür, dass ihn der Tradition verbundene Anglikaner quasi zwingen, katholische Rettungsringe auszuwerfen, weil die anglikanische Weltgemeinschaft im mainstream untergeht. Schon sehen wir vor unserem geistigen Auge die Queen, wie sie im Zorn ihre Teetasse zertrat. Und das soll der Welt beste – und teuerste! – Erziehung sein?

Kein einziges Dogma der Kirche lehrt, wie gut ein Papst erzogen sein muss. Also wird Benedikt im September erst einmal den großen Konvertiten und Kardinal John Henry Newman seligsprechen. Dass er dabei die Zunge in Richtung Buckingham Palace herausstrecken wird, ist sicher nicht zu erwarten. Schon jetzt ist die Queen blamiert genug.

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