Einigung bei Organspende

Berlin (DT/dpa) Nach monatelangem Tauziehen ist der Weg für eine Neuregelung der Organspende frei. Die Bereitschaft der Bürger zu einer Spende soll regelmäßig abgefragt werden, etwa mit dem Versand der Versichertenkarte, teilten die Bundestagsfraktionen am Donnerstag in Berlin mit. Einen Zwang zur Zustimmung soll es allerdings nicht geben; auch soll es möglich sein, die Erklärung zu verweigern. Darauf haben sich die Spitzen und Gesundheitsexperten aller Fraktionen im Bundestag überraschend mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) im Grundsatz geeinigt.

Die Bürger sollen nach Angaben der Fraktionen mit so viel Nachdruck wie möglich gefragt werden – „ohne jedoch eine Antwort zu erzwingen oder Sanktionen auszuüben“. Aus der Mitte des Parlaments ist nun ein fraktionsübergreifender Gruppenantrag geplant. „Es ist das gemeinsame Ziel, die Zahl der Organspender in Deutschland zu erhöhen.“ „Nur noch Detailfragen sind offen“, sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Sein Unionskollege Volker Kauder (CDU) sagte „Spiegel Online“: „Ich bin froh, dass wir heute eine Verständigung erzielen konnten.“ „Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, erklärte auch Gesundheitsminister Daniel Bahr. „Wir werden die Spendebereitschaft erhöhen können.“ Das Thema sei sehr wichtig und sensibel. „Wir wollen jetzt gemeinsam die konkreten Formulierungen festlegen und diese rasch ins parlamentarische Verfahren einbringen.“

Die Deutsche Hospiz Stiftung hat Zweifel, ob mit der Neuregelung die Zahl der Spender erhöht werden kann. „Regelmäßig die Bereitschaft der Bürger zur Organspende abzufragen, löst die Probleme nicht“, sagte der Geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch. Von den jährlich etwa 4 000 Hirntoten würden nur 1 900 gemeldet. „Deshalb wird es keine Wirkung zeigen, die Anzahl der Ausweisträger zu erhöhen.“

Derzeit warten etwa 12 000 Menschen, davon rund 8 000 Nierenpatienten, auf ein Organ – im Schnitt fünf bis sechs Jahre.

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