Eine wissenschaftliche Politikberatung für die Gesellschaft

Der Präsident der Leopoldina in Halle, Professor Volker ter Meulen, über Aufgaben der neuen Nationalakademie

Worin sehen Sie vorrangig die Bedeutung der Nationalen Akademie der Wissenschaften?

Die Bedeutung liegt zum einen in der internationalen Repräsentanz der Wissenschaft des eigenen Landes in den internationalen Gremien, in denen sich Akademien treffen. Zum andern wird aus der Sicht der Wissenschaft eine wissenschaftsbasierte Politikberatung für die Gesellschaft erwartet. Das sind die beiden großen Aufgaben, die eine Nationalakademie ausmachen.

Wird die Politik Anfragen stellen oder werden eigene Themenstellungen entwickelt?

Es werden vornehmlich eigene Themenstellungen sein, die wir ergreifen. Wir versuchen im Vorfeld der allgemeinen Diskussion die Themen zu finden, für die sich die Gesellschaft und die Politik interessiert, um dann weite Bereiche mit wissenschaftlichen Informationen zu versorgen, so dass es dann zu einer sachlichen Diskussion in den Öffentlichkeit und Politik kommen kann. Zum anderen sind wir auch bereit, Anfragen zu diskutieren und zu bearbeiten, aber wir nehmen uns auch die Freiheit, an uns gestellte Aufträge abzulehnen. Wir haben keine Beiratsfunktion, wie die wissenschaftlichen Beiräte in den Ministerien, sondern betrachten uns als unabhängige, auf Distanz und Pluralität angelegte Gremien, in denen

wir selbstständig und unabhängig arbeiten werden.

Wird in der zunehmenden Spannung zwischen Wissenschaft und Ethik die Akademie mit einer Stimme sprechen können?

Das weiß ich nicht. Wenn es um Fragen der Ethik geht, ist es natürlich die individuelle Ansicht, die zum Tragen kommt, die ja ganz unterschiedliche Wurzeln hat. Ethische Fragen muss die Gesellschaft als Ganzes diskutieren. Wir können bei ethischen Fragen nur die Bereiche berücksichtigen, die in Beziehung zu wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen. Mehr wird nicht möglich sein.

Erwarten Sie eine neue wissenschaftliche Kultur in Deutschland?

So etwas muss sich in einem langen Prozess entwickeln. Das Ausland ist hierbei für uns ein guter Gradmesser, etwa mit Blick auf die Diskussionen in der Royal Society in London oder in den nationalen Akademien der Vereinigten Staaten. Hier werden wichtige Sachbeiträge geleistet, die für die allgemeine Diskussion von großer Bedeutung sind.

Werden auch Geisteswissenschaften mit ihren Sinnfragen etwas beitragen?

Das hängt von der Thematik ab. Wenn große interdisziplinäre Problemstellungen anstehen, ist eine enge Kooperation mit den Geisteswissenschaften erforderlich. So haben wir vor zweieinhalb Jahren eine große Arbeitsgruppe eingerichtet mit dem Thema

„Chancen und Probleme einer alternden Gesellschaft“. Diese Arbeitsgruppe umfasst dreißig Mitglieder, sie wird von der Jakobs-Stiftung in der Schweiz finanziert und erarbeitet Konzepte für die Fragen, die sich für den Umgang mit den Menschen nach ihrer beruflichen Tätigkeit stellen. Und da sind neben Naturwissenschaft und Medizin, unter anderem Disziplinen wie Sozialwissenschaften und Psychologie gefragt.

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