Lausanne

Ein Mann bleibt auch mit Hormongaben ein Mann

„Transfrauen“ dürfen in einigen Sportdisziplinen gegen weibliche Sportlerinnen antreten. In einem internationalen Rugby-Verband wird man nun mit der Realität konfrontiert. Transgender ist im Sport kein kleines Problem.

Rugby
Sportlerinnen sind auch im Rugby mit Transfrauen konfrontiert. Symbolbild: Damenrugby Foto: INPHO Ryan Bailey via www.imago-images.de

Die australische „Plattform für freies Denken“ Quillette berichtet darüber, wie die Teilnahme von biologischen Männern in Frauenmannschaften den Weltverband „World Rugby“ vor unliebsame Tatsachen stellt und zum Umdenken anregt. 

Testosteron senken

Von November 2015 bis Februar 2020 hatte der Rugby-Verband die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) aufgestellten Richtlinien zur Teilnahme von Transgender-Personen im Sport auch als eigene Grundsätze anerkannt: Nach diesen Regeln hätten Männer, die sich selbst als Frau bezeichnen, bei den Wettkämpfen der Rugby-Frauenmannschaften teilnehmen können, wenn sie sich verpflichteten, ihren Testosteronspiegel auf 10 nmol oder weniger pro Liter für mindestens zwölf Monate zu senken, wobei der Durchschnittswert für Männer etwa siebenmal so hoch liegt.

Zahlreiche Verletzungen

In dieser Zeit von 2015 bis 2020 gab es immer mehr biologische Männer, die im Frauenrugby spielten, so dass einige der mitspielenden Sportlerinnen zunehmend Bedenken äußerten. So etwa postete eine Schiedsrichterin auf der Webseite „Fair Play for Women“: „Dazu gezwungen zu werden, verletzten Gefühlen vor gebrochenen Knochen den Vorrang zu geben, setzt mich Prozessen seitens weiblicher Spieler wegen Körperverletzung aus, die von Rugbyspielern verletzt wurden, die biologische Männer sind. Dadurch werden weibliche Sportler und Schiedsrichter aus dem Spiel gejagt“. Eine andere Schiedsrichterin schrieb: „Ich engagiere mich ehrenamtlich, um bei Wettkämpfen mein Amt auszuüben, weil ich meinen Sport liebe. Aber ich werde das nicht mehr länger machen, wenn ich in Bezug auf die Unfairness schweigen soll, die ich auf dem Spielfeld sehe, oder wenn ich Gefahr laufe, als transphob beschimpft zu werden, wenn ich einen Spieler hinauswerfe“. Die Vorsitzende eines britischen Rugbyclubs war erschüttert, als sie erfuhr, dass „wenn man vermutet, dass jemand aus der Gegenmannschaft einen Vorteil haben könnte, weil er transgender ist, ‚darf man da nicht nachfragen‘. Man muss einfach akzeptieren, dass alle Teams ‚sich nach den Vorschriften verhalten‘“.

Zu gefährlich

Aufgrund der „steigenden Sicherheitsbedenken“, insbesondere wenn es um Gehirnerschütterungen geht, sowie der finanziellen Haftung überprüfte World Rugby im Februar 2020 seine Transgender-Richtlinien. Der Verband wurde damit zur ersten Sportorganisation, die zur Frage der Zugangskriterien Experten aller Seiten an einen gemeinsamen Tisch brachte, darunter Soziologen, Biologen, Kinesiologen sowie Fachleute für die Menschenrechte. Vorherrschende Meinung auf diesem Gipfeltreffen war, dass World Rugby seine Richtlinien ändern müsse: „Es war einfach zu riskant, weiterhin Männerkörper bei dem Frauenspiel zuzulassen“. Die Entscheidungsträger verließen sich auf eine vom renommierten Karolinska Institute (Schweden) im September 2019 veröffentlichten Studie.

Neue Regeln

Sogar nachdem in Übereinstimmung mit den IOC Richtlinien die männlichen Hormone reduziert worden waren, so fasst Quillette die Ergebnisse zusammen, gab es laut Aussage der Wissenschaftler keinen nennenswerten Verlust an Körper- und Muskelgewicht oder an Kraft bei den Männern, die mittels Hormongabe zu Frauen werden wollten: „Es war immer noch ein Mann, der da zusammen mit Frauen spielte. World Rugby musste sich mit der Realität arrangieren: ungeachtet der hormonellen Maßnahmen sind männliche Sportler im Durchschnitt um 40 Prozent schwerer, um 15 Prozent schneller und um 25 bis 50 Prozent stärker als die weiblichen Sportler. Und diese Unterschiede stellt für weibliche Rugbyspielerinnen ein offensichtliches Risiko bei der Vollkontakt-Sportart dar“. Noch sind die neuen Richtlinien von World Rugby nicht öffentlich gemacht worden. Über sie wird vermutlich Ende des Jahres beim World Rugby Council abgestimmt werden. Dort werde die Organisation ein umfassendes Verbot von biologischen Männern in diesem Frauensport empfehlen – was natürlich nicht heißt, dass „Transfrauen“ allgemein die Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen verboten werde. Die Sportler dürften eben nur in ihrer eigenen Geschlechtskategorie, also in der der Männer, teilnehmen. DT/ks

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