Hongkong

Ein Katholik kämpft gegen Peking

Der Hongkonger Medienunternehmer und bekennende Katholik ist wieder im Gefängnis. Im April wird im der Prozess gemacht. Der Lebensweg eines Widerstandskämpfers.

Jimmy Lai
Jimmy Lai, Medienmogul aus Honkong, kommt aus einer Polizeistation, nachdem er auf Kaution freigelassen wurde. Foto: Liau Chung-Ren (ZUMA Wire)

Jimmy Lai ist wieder im Gefängnis. Der Hongkonger Medienunternehmer und  bekennende Katholik kam schon am 2. Dezember in U-Haft. Dann wurde der Freiheitskämpfer doch noch kurz vor Weihnachten auf Kaution in Hausarrest entlassen, unter sehr strengen Auflagen. Es wurde ihm untersagt, sich öffentlich zu äußern, etwa auch in sozialen Medien, oder mit Journalisten zu sprechen.

"Berüchtigt und extrem gefährlich"

Der Kommunistischen Partei reichte das noch nicht. Ihr Sprachrohr „People's Daily“  kritisierte scharf den gewährten Hausarrest. Das Hetzblatt bezeichnete den Millionär und Herausgeber der pro-demokratischen Tageszeitung „Apple Daily“ als „berüchtigt und extrem gefährlich“.

Die Hongkonger Regierung legte vor Gericht Berufung gegen die Entscheidung ein. Nach Weihnachten revidierte der „Court of Final Appeal“ die Kautionsentscheidung der unteren Instanz. Erneut brachten sie den kämpferischen Demokraten – sein chinesischer Vorname lautet  Chee-ying – in Handschellen und Ketten ins Gefängnis. Am 1. Februar will man erneut prüfen, ob der 73-jährige Lai auf Kaution entlassen werden könne. In Artikel 42 des Sicherheitsgesetzes heißt es, es werde „nur dann eine Kaution gewährt, wenn der Richter hinreichende Gründe für die Annahme hat, dass der Verdächtige oder Beschuldigte keine die nationale Sicherheit gefährdenden Handlungen mehr begehen wird“.

Als Junge vor den Kommunisten geflohen

Ab 16. April soll ihm endgültig der Prozess gemacht werden. Es gibt genug Handhabe, um Lai einen Strick zu drehen. Es droht ihm eine langjährige – vielleicht lebenslange – Freiheitsstrafe. Gerade wurden auf einen Schlag über 50 weitere Oppositionelle verhaftet, darunter Abgeordnete und Aktivisten. Die Verhaftungswelle erfolgte durch eine Einheit der Sonderpolizei, die indirekt von Peking gesteuert wird. Lai war als 12-jähriger Junge vom chinesischen Festland auf einem Fischerboot vor den Kommunisten nach Hongkong geflohen. Er brachte es zu Reichtum. Er spendete viel für wohltätige Zwecke, darunter Millionen Dollar an Hongkongs Kardinal Joseph Zen.

1997 ließ er sich katholisch taufen. Sein Taufpate William McGurn vom Wallstreet Journal schrieb: „Wenn er sich im Gefängnis wiederfindet, dann nur, weil das kommunistische China trotz seiner Größe und Macht jeden Chinesen fürchtet, der den Mund aufmacht.“ Kardinal Zen nannte die Verhaftung Lais „Teil einer Kampagne der politischen Einschüchterung“. Lai besitzt auch einen britischen Pass. Bei seinem Vermögen hätte er sich leicht im Ausland in Sicherheit bringen können. Doch jetzt wollte er nicht mehr vor den Kommunisten fliehen.

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