„Ein Aufruf, sich einzumischen in Afrika“

Afrikas Bischöfe beraten in Benin über Papstbesuch – Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon mit dabei. Von Johannes Seibel
Foto: Foto: | MIS
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Herr Bröckelmann-Simon, in Benin hat bis vergangenen Mittwoch die panafrikanische Bischofskonferenz SECAM beraten. Sie waren für das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor eingeladen und haben ein Grußwort gesprochen. Wie war die Stimmung nach dem Papstbesuch in Benin?

Die Stimmung war sehr positiv. Man hat die Übergabe des Apostolischen Schreibens zur afrikanischen Bischofssondersynode in Rom wie den gesamten Papstbesuch als eine deutliche Ermutigung für die afrikanische Kirche verstanden. Das Apostolische Schreiben ist ein pastorales Dokument. Aber es ist auch ein Aufruf, sich einzumischen in die Frage etwa von guter Regierungsführung, in die Sicherstellung der Grundrechte der Menschen. Das Schreiben spricht insbesondere Bildung und Gesundheit, also die sozialen Grunddienste, deutlich an. Und sich für Frieden und Versöhnung jenseits ethnischer und auch religiöser Zugehörigkeiten noch stärker als bisher zu engagieren, das ist verstanden worden als eine Bekräftigung dessen, was die Kirche in Afrika sich ohnehin vorgenommen hat.

Sie selbst als Vertreter von Misereor, was nehmen Sie aus dieser Konsultation der SECAM für Ihre Arbeit mit?

Im Grunde ist das bestätigt worden, was die Schwerpunkte unserer Zusammenarbeit mit der afrikanischen Kirche sind. Wir sind sehr stark im Bereich der sozialen Grunddienste engagiert. Wir fördern Programme, die sich der Frage der guten Regierung in den verschiedenen Ländern Afrikas widmen, wo es auch um die Sicherung der Menschenrechte geht. Das wird alles in dem Apostolischen Schreiben angesprochen. Und die Frage von Frieden und Versöhnung ist ja auch ein Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit mit SECAM. Mit einem eigenen Programm unterstützen wir SECAM dabei, den Gedanken von Gerechtigkeit, Versöhnung und guter Regierungsführung in allen Regionen Afrikas präsent zu machen.

Welche weiteren Punkte des Apostolischen Schreibens spielten eine wichtige Rolle?

Da ist der deutliche Aufruf des Papstes, im interreligiösen Miteinander nicht nachzulassen, auch dort, wo es schwierig ist. Er spricht von den schwierigen Situationen für Christen in manchen Ländern, von traumatisierenden Situationen in Minderheitensituationen. Aber er sagt auch, wir dürfen nicht nachlassen in der Wertschätzung gegenüber dem Islam. Das finde ich bemerkenswert, weil es natürlich auch sehr gute Erfahrungen der Entwicklungszusammenarbeit von unterschiedlichen Religionen in Afrika gibt. Das zweite ist, dass der Papst sehr deutlich dazu mahnt, nationale oder auch ethnische Eigeninteressen oder Bindungen zurückzustellen zum Wohle des gemeinsamen Handelns der gesamten afrikanischen Kirche. Er würdigt SECAM als den Zusammenschluss der Bischöfe, des Kollegiums der Bischöfe Afrikas ausdrücklich. Man möchte im Cotonou-Aktionsplan, so heißt ja das Schlussergebnis, die Verbindung zu den Schwesterkirchen in Asien, Lateinamerika und Europa suchen, um etwa in Sachen Klimawandel miteinander zu handeln und das als globale Herausforderung aufzugreifen. Und ich glaube, die Bischöfe haben das Apostolische Schreiben als Aufruf verstanden, sich der guten Regierungsführung auch innerkirchlich wirklich zu widmen, dass man die Beteiligung aller Gläubigen, auch der Laien, ernst nehmen soll.

Und wo gibt es Grenzen des interreligiösen Miteinanders?

Das Apostolische Schreiben ist meiner Wahrnehmung nach so verstanden worden, dass man sich mit Respekt begegnen soll, aber deutlich sagen muss, wo man nicht miteinander den Weg gehen kann. Nehmen wir die Frage der Genitalverstümmelung, die ja in dem Schreiben im Grunde auch angesprochen ist. Das sind Punkte, wo man sagen muss, da müssen wir mit der Tradition brechen, weil sie die grundlegende Würde der Menschen, in diesem Fall der Mädchen und Frauen, verletzen.

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