Ehre, wem Ehre gebührt

Aber dieser Rummel um mich ist wirklich überzogen!

Von H1N1

Da bin ich wieder! Doch um es gleich zu sagen: Auch an mir ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Nur noch die Ältesten werden sich erinnern. Als ich 1918 die Spanische Grippe ausgelöst habe – sie wütete dann zwei Jahre rund um den Globus –, waren es 20 bis 25 Millionen Menschen, die mir zum Opfer fielen. Waren das noch Zeiten! Jedoch auch ein Virus kommt in die Jahre.

So richtig entfesseln konnte ich die „neue Grippe“ noch nicht (nachdem sich die Schweine bei der Europäischen Kommission beschwert hatten, haben die in Brüssel die „Schweinegrippe“ bekanntlich in „neue Grippe“ umbenannt). Umso erstaunter bin ich, welche publicity mir zuteil wird. Selbst da, wo ich gar nicht hin will – diese Wärmescanner auf den Flughäfen in Asien finde ich einfach unappetitlich – lande ich auf Seite eins oder in der Aufmachermeldung. Selbst den Papst in den Abruzzen habe ich in Italien aus den Schlagzeilen verdrängt. Na ja: Ehre, wem Ehre gebührt!

Aber Alter macht weise. Und ich will mich in Demut und Bescheidenheit üben (warum ich meinen Kommentar auch an die Redaktion einer katholischen Zeitung geschickt habe.) Zwar hat sich auf mein jugendliches Wüten vor neunzig Jahren der Goldglanz des Vergangenen gelegt. Doch seien wir einmal ehrlich: So gefährlich bin ich gar nicht! Wisst ihr, dass Abtreibung die häufigste Todesursache der Welt ist – mit über vierzig Millionen Kindern pro Jahr, und wahrscheinlich sind es viel mehr. Gefolgt von den Opfern von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (siebzehn Millionen), den Hungertoten (elf Millionen), oder den Aidsopfern (2,5 Millionen). Schön, dass ihr mich so ernst nehmt. Aber lenkt ihr nicht alle ein wenig von den Geißeln der Menschheit ab, gegen die man sofort etwas tun könnte? So, und jetzt wisst ihr auch, warum ich zurückgekommen bin!

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