Eduard Pröls: „Brauchen neue Kultur des Mutbürgertums“

Eduard Pröls im Interview zur Aktion „10 Tage 10 Städte für Ehe & Familie“ mit dem „Bus der Meinungsfreiheit“. Von Michaela Koller

Eduard Pröls
Eduard Pröls, Direktor der Initiative CitizenGO Deutschland. Foto: privat

Herr Pröls, Sie wollten für Meinungsfreiheit Flagge zeigen. Hatten Sie mit dem Gegenwind gerechnet, der Ihnen dann tatsächlich entgegenblies?

Natürlich hatten wir vor dem Hintergrund der Erfahrung, die CitizenGO in den letzten sechs Monaten mit dem Bus gemacht hat, von vornherein damit gerechnet. Wir hatten teilweise noch wesentlich heftigeren Gegenwind als in Deutschland. In Spanien wurden an einem Bus etliche Scheiben eingeschlagen, mindestens ein weiteres Mal wurde ein Bus verkratzt und verschmiert. Am ersten Tag der US-Tour attackierten uns Gegner nicht weit vom Hauptgebäude der Vereinten Nationen in New York, indem sie mit Hämmern in Sekundenschnelle die Frontscheibe und einige Seitenscheiben einschlugen, während der Fahrer im Bus saß. In Kolumbien wurde der Bus sehr stark beschmiert, während die Vorfälle in Mexiko und Chile nicht ganz so schlimm waren. In Deutschland hatten wir keine derartigen Vorfälle. In Stuttgart sind aber mehrere Unterstützer ganz konkret persönlich bedroht worden.

Nicht jeder steckt Gewaltandrohungen mutig weg. Was kann jeder einzelne Christ für mehr Meinungsfreiheit tun?

Nicht nur Christen, sondern alle sind aufgerufen, mehr Mut zu haben, unsere Meinung öffentlich kundzutun und das Gespräch zu suchen. Wir rufen insbesondere unsere Unterstützer dazu auf, Mutbürger zu werden. Wir brauchen eine neue Kultur des Mutbürgertums, um gesellschaftliche Diskussionen wieder in Gang zu bringen sowie weitere Frontenbildung und Radikalisierung einzudämmen. In Hannover habe ich ausdrücklich in den Begriff auch die friedlichen Demonstranten mit einbezogen.

Ein anderes Ziel vor dem Start der Aktion „10 Tage 10 Städte für Ehe & Familie“ war es, darüber zu informieren, was mit Blick auf die künftige Interpretation des Schutzes von Artikel 6 des Grundgesetzes auf dem Spiel steht. Sind Sie zufrieden mit dem Interesse und der Teilnahme an der Aktion?

Wir sind sehr zufrieden. Da wir in der Erwartung des Widerstands gegen uns aufgrund der Erfahrungen in Spanien und den USA zunächst nur das Grundanliegen hatten, den Bus unbeschadet nach Berlin zu bringen, haben wir erst sehr kurzfristig die gesamte Aktion sowie die einzelnen Stationen bekannt gegeben. So war klar, dass nur eine begrenzte Zahl an Unterstützern zu uns kommen würde. Es gab zudem zahlreiche Begegnungen mit Passanten, die sich einfach informieren wollten, überall dort, wo Demonstranten uns nicht einkreisten. Wir haben auch offene Gespräche mit Gegnern geführt.

Haben Sie schon konkrete Erkenntnisse, was Auswirkungen auf die Petition „Ehe bleibt Ehe!“ betrifft?

Wir haben bei der Abschlusskundgebung das Ergebnis von rund 220 000 Unterschriften präsentiert. Weil weder Bundeskanzlerin Angela Merkel noch ihr Bundeskanzleramt auf die Bitte um Gelegenheit der Übergabe reagierten, sehen wir uns angespornt, die Petition weiterzuführen.

Wie geht es jetzt künftig mit der Aktion für Ehe und Familie weiter?

In der kommenden Woche wird ein „Bus der Meinungsfreiheit“ durch Italien fahren. In Spanien hat nun ein Gericht entschieden, die Aufschrift des ursprünglichen Busses sei legal und der Bus könne zur Fahrt freigegeben werden, nachdem er mehr als fünf Monate in einem Depot unter Verschluss stand. Unser spanischer Ableger wird damit auch in der kommenden Woche durch Spanien reisen.

Womit dürfen wir in Deutschland rechnen?

Wir werden künftig mehr solcher Aktionen durchführen, nicht nur den „Bus der Meinungsfreiheit“ zusammen mit „Demo für alle“. Dazu werden wir auch das Thema Lebensschutz aufgreifen, für die Ungeborenen, aber auch gegen Euthanasie.