Peking

Drei Jahre Haft wegen genmanipulierter Babys

Ein chinesisches Gericht hat den Biophysiker He Jiankui und zwei weitere Wissenschaftler zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt und ein lebenslanges Berufsverbot verhängt.
Biophysiker He Jiankui
Foto: Mark Schiefelbein (AP) | Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui wurde wegen genetisch veränderter Babys von einem Gericht verurteilt.

Der Biophysiker He Jiankui, der im November 2018 die Geburt von zwei Zwillingsmädchen bekannt gegeben und die eines weiteren Kindes angekündigt hatte, deren Erbgut er in Teilen umgeschrieben haben will, ist von einem chinesischen Gericht in Shenzhen zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Das meldete am Montag die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Demnach verurteilte das Gericht He zudem zur Zahlung einer Geldstrafe von drei Millionen Yuan. Das entspricht rund 384.000 Euro.

Außer He verurteilte das Gericht mit Zhang Renli und Qin Jinzhou noch zwei andere an den Humanexperimenten beteiligte Wissenschaftler. Zhang muss für zwei Jahre ins Gefängnis und rund 184.000 Euro zahlen. Qin verurteilte das Gericht zu einer 18-monatigen Haftstrafe und zur Zahlung von rund 92.000 Euro.

„Ruhm und Reichtum“: Lebenslanges Berufsverbot

Gegen alle drei Wissenschaftler verhängte das Gericht dem Bericht zufolge außerdem ein lebenslanges Berufsverbot. Keiner der drei Wissenschaftler darf nach Verbüßung der Strafen an seinen ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehren. Das Gericht warf den Wissenschaftlern vor, sich nach „Ruhm und Reichtum“ gesehnt und gegen bestehende Gesetze verstoßen zu haben.

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Laut Xinhua haben die Humanexperimente der Forscher zur Geburt von drei genmanipulierten Babys geführt. Der Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur stellt die erste offizielle Bestätigung dar, dass He und seine Kollegen tatsächlich das Erbgut dreier zuvor im Labor erzeugter Embryonen manipuliert und erfolgreich in die Uteri von zwei Frauen übertragen haben, die die Kinder anschließend gebaren. In Ermangelung einer Veröffentlichung, in denen He seine Experimente beschrieb, hatten einige Wissenschaftler bezweifelt, dass die genmanipulierten Kinder tatsächlich das Licht der Welt erblickt hätten.

Weitere Anklagen möglich

Wie die „Tagespost“ ausführlich berichtete, hatte He im November 2018 die Geburt der Zwillingsmädchen „Lulu“ und „Nana“ bekannt gegeben, deren Erbgut er mittels der CRISPR/Cas-Technologie manipuliert habe, um sie HIV-resistent zu machen. Die „scientific community“, die Gemeinschaft der Wissenschaftler, zeigte sich daraufhin schockiert und verurteilte He und seine Experimente scharf. Im August dieses Jahres berichtete jedoch das Wissenschaftsmagazin „Science“, dass rund 60 Personen in China und den USA frühzeitig in He‘s Pläne eingeweiht gewesen von den Experimenten gewusst hätten. Unter ihnen sollen sich auch chinesische Politiker und potentielle Geldgeber befunden haben. Dem Bericht zufolge soll He sogar die Gründung einer Fruchtbarkeitsklinik für genetisch manipulierte Kinder erwogen und zusammen mit dem in New York arbeitenden Reproduktionsmediziner John Zhang in Frage kommende Standorte in China bereits besucht haben.

Gut möglich, dass der Fall juristisch deshalb noch keineswegs ausgestanden ist und es zu weiteren Anklagen und Verurteilungen kommt.

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