Diskussion um Organspende

Berlin (DT/KNA) Der Bundestag treibt die Neuregelung der Organspende voran. Wie mehrere Medien am Wochenende berichteten, haben sich am Donnerstagabend auf Einladung von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier die Vorsitzenden aller Bundestagsfraktionen getroffen, um sich auf eine Reform zu verständigen. Steinmeier und Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatten in den vergangenen Wochen vorgeschlagen, dass sich jeder Erwachsene beispielsweise bei Ausgabe eines Führerscheins oder Personalausweises für oder gegen eine mögliche Organspende erklären soll. Diese Willensbekundung könnte dann in dem Dokument vermerkt und jederzeit auch wieder geändert werden. Steinmeier, der im vergangenen Jahr seiner Frau eine Niere gespendet hatte, sagte laut „Bild“: „Ich bin zuversichtlich, dass das schnell gehen kann. Denn wir sind uns im Ziel weitgehend einig. Wenn sich die Details rasch klären lassen, bekommen wir das in diesem Jahr noch hin.“ Kauder sagte dem „Tagesspiegel am Sonntag“, der Staat dürfe seine Bürger „einmal im Leben mit dieser Frage konfrontieren“. Es solle aber „niemand zu einer Entscheidung gezwungen“ werden.

Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte das Konzept. „Schon das heute geltende Transplantationsgesetz mit seiner erweiterten Zustimmungslösung, bei der auch Verwandte des Hirntoten einer Organentnahme zustimmen können, ist verfassungsrechtlich bedenklich“, sagte der Geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch am Sonntag der Katholischen Nachrichtenagentur. „Jetzt eine Erklärung bei Ausgabe eines Führerscheins oder Personalausweises zu erzwingen, ist ein klarer Verstoß gegen die Verfassung.“ Brysch forderte stattdessen eine breite Aufklärung über die Chancen und Risiken der Organentnahme. Dabei sollten die Hirntod-Kriterien ebenso offen diskutiert werden wie die „intransparente Praxis der Organentnahme“ selbst. Darüber hinaus forderte Brysch eine rechtsstaatliche Aufsicht über die Organvergabe.

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