„Diskriminierend“ – „zynisch“ – „pervers“

Die Äußerungen des Biologen Richard Dawkins über Menschen mit Down-Syndrom stoßen auf heftige Kritik. Von Stefan Rehder

London/Köln/Heidelberg (DT) Nach US-amerikanischen und britischen Stimmen haben nun auch deutsche Lebensrechtler die „Twitter“-Einlassungen des britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins zu Kindern mit Down-Syndrom heftig kritisiert.

Die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) wies gestern die Äußerung Dawkins, es sei unmoralisch, ein Kind mit Down-Syndrom zu gebären, wenn man die Wahl habe, als „diskriminierend“ zurück. „Menschen mit Behinderung verdienen exakt denselben Respekt wie Menschen ohne Behinderung“, erklärte deren Bundesvorsitzende Claudia Kaminski in Köln. „Dawkins würdigt eine ganze Personengruppe herab und verharmlost darüber hinaus das Abtreibungsgeschehen, wenn er Frauen, die ein Kind mit Trisomie 21 erwarten, via Twitter rät: ,Abtreiben und es erneut versuchen‘.“ Während die Welt sich Gedanken mache, „wie die Inklusion von Menschen mit Behinderungen erreicht werden kann“, sei „das Einzige, was dem Promi-Professor aus Oxford dazu einfällt, seinen ohnehin hohen Fremdschämfaktor ins Unglaubliche zu steigern“, kritisierte die Ärztin. „Ganz gleich was Herr Dawkins selbst vom Recht auf Leben hält – viel kann es ja nicht sein –, eine vorgeburtliche Kindstötung derart zu verharmlosen, wird weder der Würde ungeborener Menschen mit Behinderungen noch der ihrer Mütter und Väter in irgendeiner Weise gerecht.“ Die ALfA rief Dawkins auf, sich „bei Menschen mit Down-Syndrom und ihren Eltern für seine unerträgliche Entgleisung zu entschuldigen“.

Auch der Leiter des Projekts „1000plus“, Kristijan Aufiero, zeigte sich „zutiefst bestürzt“ über die „geradezu unfassbare Aussage“ Dawkins. „Jedes Kind, ob mit oder ohne Handicap, ist absolut lebens- und liebenswert.“ Aufiero bezeichnete es als „zynisch“ und „menschenverachtend“, „das Leben von Kindern, die krank oder mit Beeinträchtigungen geboren werden, als weniger lebens- und schützenswert zu betrachten und ihren Müttern offen zur Abtreibung zu raten“.

Zuvor hatte die US-amerikanische Lebensschutzorganisation „Live Action“ Dawkins Äußerungen gegenüber dem Online-Nachrichtendienst „Lifesitenews.com“ als „geschmacklos und pervers“ bezeichnet. Durch sie würden Menschen mit Down-Syndrom, denen die gleiche Würde wie jedem anderen zukomme, weiter stigmatisiert.

Die britische „Down Syndrom Association“ erklärte, entgegen der Einschätzung Dawkins führten Menschen mit Down-Syndrom sehr wohl ein erfülltes Leben und verwies auf eine kürzlich erschienene Studie. Ihr zufolge geben 99 Prozent der Menschen mit Down-Syndrom an, ein glückliches Leben zu führen.

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