„Dieses Ungeheuer Boko Haram“

Die Bischöfe im Nordosten sprechen von dem „Versuch, die Christen in der Region zu vernichten“

Im Nordosten Nigerias sind nach Angaben der Vereinten Nationen zeitweilig 13 000 Menschen aus Angst vor der Terrorgruppe Boko Haram ins benachbarte Kamerun geflohen. Anlass der jüngsten Flüchtlingswelle war die Eroberung der Stadt Mubi Ende Oktober durch die militanten Islamisten. Inzwischen seien die meisten Geflohenen zurückgekehrt, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag in Genf mit. Ihr Ziel sei vor allem Yola, die Hauptstadt des Bundesstaates Adamawa.

Nigerianischen Medien zufolge hat Boko Haram am Montag die Stadt Maiha erobert, die rund 25 Kilometer von Mubi entfernt liegt. Die Terrormiliz dehnte damit ihre territoriale Kontrolle in Adamawa weiter aus. Viele Soldaten der Regierungstruppen, die von Maiha aus eine Rückeroberung von Mubi unternehmen sollten, seien geflohen, berichteten nigerianische Zeitungen unter Berufung auf Augenzeugen.

Unterdessen verurteilte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) den Bombenanschlag auf eine Schule in Potiskum im weiter nördlich gelegenen Bundesstaat Yobe. OIC-Generalsekretär Ameen Maidani äußerte sich am Dienstag im saudischen Dschidda empört über die fortgesetzten Angriffe auf Bildungseinrichtungen in Nigeria. Die „grausamen und feigen“ Anschläge töteten Kinder, die die Zukunft des Landes seien, so der Vertreter des Verbandes von 47 islamischen Staaten. Das Attentat am Montag forderte nach Polizeiangaben mindestens 47 Todesopfer. 79 weitere Schüler wurden verletzt.

In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die Bischöfe und Sprecher der christlichen Kirchen des Adamawa-Gebietes am Dienstag zu den Terrorakten geäußert. Wörtlich heißt es in dem Kommuniqué von Yola, das dieser Zeitung vorliegt: „Die christlichen Führer im Bundesstaat Adamawa sind besorgt über die kürzlich durch Rebellen erfolgte Übernahme von sechs Kommunalverwaltungen im Bundesstaat Adamawa. Wir befürchten, dass die Christen systematisch durch Mitglieder der islamischen Sekte Boko Haram eliminiert werden. Wir sehen uns zu der Annahme gezwungen, dass der ganze Angriff ein wohldurchdachter Plan ist, um Christen, die in der betroffenen Region leben, zu vernichten.“

Alle Gottesfürchtigen sollen den Sicherheitskräften helfen

Die Berichte von Christen, die aus dem Unruhegebiet fliehen konnten, würden deutlich machen, „dass christliche Eltern und Brüder im Beisein ihrer Schutzbefohlenen und Frauen niedergemetzelt werden, weil sie sich zum christlichen Glauben bekennen, während alle bestehenden Kirchen in den eroberten Gebieten von den islamischen Rebellen komplett zerstört worden sind“. Infolge der Enthüllungen über Angriffe, die zumeist gegen Christen gerichtet seien, weisen die Bischöfe Andeutungen entschieden zurück, „die Aufrührer seien lediglich ein Trupp schießwütiger Banditen, die die Absicht verfolgen, eine Rechnung mit der Regierung zu begleichen“. Vielmehr handle es sich um einen „wohlüberlegten Versuch, die Christen in der besiegten Region zu vernichten“.

Obwohl auch viele Nicht-Christen getötet wurden, sei die christliche Gemeinschaft nicht davon zu überzeugen, „dass sich die Erhebung nicht allein gegen Christen richtet, da es sich nicht länger verbergen lässt, dass alle Nicht-Christen, die beschlossen haben, nach den Unruhen zurückzubleiben, ein normales Leben führen und in den eingenommenen Gebieten ungehindert und unbedroht ihren Geschäften nachgehen können“. Die menschliche Tragödie und „das emotionale Trauma“ durch diese Unruhen überstiegen die menschliche Vorstellungskraft. Hunderttausende Vertriebene seien von ihrer Heimat und ihren Beziehungen abgeschnitten und hätten bereits Zuflucht in Kamerun oder in den umliegenden Bergen gesucht.

Die Bischöfe raten der Regierung zur Änderung der militärischen Strategie, „um den Aktionen der Aufrührer in diesem Bundesstaat Einhalt zu gebieten“, da das derzeitige militärische Vorgehen offenbar nicht die erwünschten Resultate erbringe: „Wir empfehlen eindringlich die völlige Aussetzung aller politischen Aktivitäten in Nigeria, um der Bundesregierung zu erlauben, den verheerenden Boko-Haram-Aktivitäten im Nordosten (vor allem in den Bundesstaaten Adamawa, Borno und Yobe) direkt und aufrichtig ins Auge zu sehen, die die Existenz eines vereinigten nigerianischen Staates gefährden.“ Weiter rufen die Bischöfe „alle gottesfürchtigen Christen und Muslime auf, sich zusammenzutun und dieses Ungeheuer namens Boko Haram sowie seine das Land schwächenden Aktivitäten zu bekämpfen, indem sie die Sicherheitskräfte mit wichtigen Informationen versorgen, um den Prozess einer vollständigen Niederschlagung des Aufstands in Nigeria zu erleichtern“. DT/CR/KNA

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