„Dieser Konflikt belastet den Frieden in Europa“

Krieg im Kaukasus: Der Unternehmer Claus Hipp, Honorarkonsul Georgiens in München, fordert mehr Aufmerksamkeit für die Region

Washington droht Moskau mit einer diplomatischen Eiszeit. Geht es den Russen eigentlich um die Südosseten?

In Süd-Ossetien sind viele Bürger vertrieben worden, genau wie in Abchasien. Ich habe selbst viele kennengelernt. Man hat dort andere Menschen angesiedelt und russische Pässe verteilt. Wenn jetzt gesagt wird, dass hier Russland den eigenen Bürgern zu Hilfe kommt, dann stimmt das also nicht. In dem Konflikt geht es wahrscheinlich vor allem um die einzige Öl- und Gasleitung, die von Osten nach Westen nicht durch russisches Gebiet führt. Insofern stehen Interessen auf dem Spiel, die von Russland sehr hoch bewertet werden dürften, weil sie durch den Konflikt eine stärkere Energiekontrolle gewinnen können.

Hat Sie dieser Konflikt eigentlich überrascht?

Die Gefahr war immer da. Der Konflikt ist also nicht überraschend ausgebrochen. Interessanterweise liegt er zeitgleich mit dem Beginn der Olympiade. Im alten Griechenland haben während der Olympiade alle Kriege zu ruhen gehabt, heutzutage wird das Gegenteil gemacht – vielleicht um vom Krieg abzulenken und um weniger aufzufallen. Das Ganze wirkt wie eine gezielte Aktion.

Die Annäherung Georgiens an den Westen, vor allem das Bestreben, in die Nato aufgenommen zu werden, wird in Moskau nicht gern gesehen. Kann sich die Nato es eigentlich noch leisten, Verhandlungen mit Ländern zu führen, die stark kriegsgefährdet sind?

Wenn wir für Frieden eintreten, müssen wir allen helfen, die Frieden wollen und die in Gefahr sind. Wir können das östlichste Land des Abendlandes nicht einfach hängenlassen. Georgien hat eine lange griechische und eine lange römische Geschichte. Das Christentum ist dort seit 337 verwurzelt, lange, bevor wir christianisiert wurden. Georgien war über das Schwarze Meer auch immer in Verbindung mit dem Westen. Wäre die Aufnahme Georgiens in die Nato positiver behandelt worden, wäre es nicht zu diesem Konflikt gekommen. Es hat genügend Hinweise gegeben, wie wichtig die Aufnahme Georgiens in die Nato ist.

Wie könnte eine effiziente politische Hilfe konkret aussehen?

Eine wirksame Hilfe bestünde darin, dass alle Länder einwirken auf jede Art von Friedensstörung. Es ist ja auch schon vor diesem Konflikt in Georgen immer wieder zu Provokationen gekommen: Moskau hat die Souveränität verletzt, ist in den Luftraum eingedrungen, hat Menschen vertrieben. All diese Dinge sind in der Vergangenheit zu wenig zur Kenntnis genommen worden. Mehr Wachsamkeit ist sicher wichtig.

Rechnen Sie damit, dass dieser Konflikt Folgen für die Sicherheit Europas hat?

Dieser Konflikt belastet den Frieden in Europa und es wäre richtig, wenn er möglichst schnell aus der Welt geschafft würde. Wir haben Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und zum Kaukasus. Sie werden durch den Konflikt gestört.

Wären wirtschaftliche Sanktionen auf Russland sinnvoll?

Wirtschaftliche Sanktionen bringen wenig, denn im Gegenzug wird Russland dann die Energieversorgung sperren. Aber wir müssen auf jeden Fall über die Hintergründe des Konflikts aufklären. Wir müssen alles dafür tun, damit die Wahrheit ans Licht kommt, denn vielfach wird nur in Schlagworten berichtet. Aber für alle Länder ist das Beste, wenn sich die Beziehungen möglichst schnell wieder normalisieren. Die Menschen wollen das nicht.

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