„Diese Niederlage tut der Stimmung im Land keinen Abbruch“

Österreichs Sportbischof Franz Lackner über Gemeinsamkeiten von Fußball und Kirche und zur Frage: Wer wird Europameister?

Die Fußball-Europameisterschaft hat begonnen. Österreich ist mit einer Niederlage ins Turnier gestartet. Muss man sich Sorgen um die EM-Stimmung im Gastgeberland machen?

Das glaube ich nicht. Ich war selbst im Stadion. Die Stimmung war großartig. Am Anfang war Österreich in Bedrängnis. Doch es war das Publikum, als sprichwörtlicher 12. Mann, das die Mannschaft dann nach vorne getrieben hat. Gegen Ende des Spiel waren sie eigentlich klar überlegen und hätten mindestens den Ausgleich verdient gehabt. Diese Niederlage war schmerzlich, aber sie tut der Stimmung im Land keinen Abbruch.

Zwischen Religion und Fußball werden immer wieder Parallelen gezogen. Ist das nicht übertrieben?

Man kann alles übertreiben, so auch dies. Aber ich glaube schon, dass es wirkliche Parallelen zwischen Sport und Glaube und Fußball im Besonderen gibt.

Und wie sehen die aus?

Nehmen wir ein Beispiel: Fußball ist ein Gemeinschaftssport. Der berühmte Trainer Sir Alex Ferguson hat einmal gesagt, der Schlüssel zum Erfolg besteht darin, dass kein Spieler über der Mannschaft steht. So etwas sagt ein Fußballtrainer! Man stelle sich vor, er bekommt vielleicht einen begnadeten Stürmer. Und was dieser dann zu lernen hat, ist, dass er sich einfügt, dass er seine Talente, seine Fähigkeiten nur im Kollektiv ausspielen kann. Das kann man zwar sicher nicht restlos, aber doch gut auch auf Kirche und Glaube anwenden: Ein Christ ist kein Christ. Christsein bedeutet Gemeinschaft. – Die Kirche ist der Leib, das Haupt ist Christus, wir sind sein Leib. Zu lernen, sich einzufügen, ist unheimlich wichtig. Sich einzufügen hat nichts mit Zurechtstutzen zu tun. Im Gegenteil: In dieser Gemeinschaft, im gemeinsamen Unterwegssein mit Christus entdeckt der Einzelne auch seine ganz besonderen Talente und Fähigkeiten.

Die Kirche in Österreich macht zur EM besondere Angebote. Worum geht es da?

Grundsätzlich ist es uns ein Anliegen – und für mich als Sportbischof gilt das in besonderer Weise – bei den Menschen zu sein. Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt: „Der Weg der Kirche ist der Mensch.“ Genau darum geht es. Wir haben jetzt so viele Gäste im Land, da möchten wir als Kirche präsent sein. Wir wollen dazu beitragen, dass die Spiele friedlich und vom fair play geprägt sind. Wir bieten Verschiedenes an. Im Vorfeld wurden bereits Gottesdienste gefeiert und es gibt ökumenische Veranstaltungen. Viele Menschen sind im Land unterwegs. Sie werden auch Orte der Stille suchen. Deshalb möchten wir die Kirchen offen halten. Dort kann man Ruhe und Frieden finden. Im Übrigen verschicke ich als Sportbischof während der EM jeden Tag eine SMS. Die kann man im Internet unter www.kirche08.at kostenlos bestellen.

Sie kommentieren die Spiele?

Das nicht direkt. Wir stimmen die Texte schon auf aktuelle Ereignisse ab. Dabei geht es aber eher ums Grundsätzliche, Atmosphärische. Wir reagieren nicht auf jede Kleinigkeit oder jedes Ergebnis. Jeden Tag gibt es einen Spruch aus der Heiligen Schrift, von Heiligen, aber auch von Fußballern. Damit wollen wir in dieses große Ereignis hineinsprechen.

Was tippen Sie: Wer holt den Titel?

Bis jetzt habe ich gesagt Österreich. Das traue ich mich aber nun doch nicht mehr. Italien und Frankreich sind stark. Auch Portugal und Holland darf man nicht vergessen. Ich denke Italien oder Deutschland wird es machen.

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